Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/245/
Entstehung von Fett aus Kohlehydraten. 
237 
Liebig hatte damals schon mancherlei Umwandlungen der Kohle¬ 
hydrate angegeben, welche auf die Entstehung gewisser Componenten 
oder Zersetzungsprodukte der Fette aus jenen hindeuten; wir vermö¬ 
gen zu diesen noch eine Anzahl weiterer hinzuzufügen. 
In dem Stärkemehl und den Zuckerarten findet sich das nämliche 
Verhältniss von Kohlenstoff und Wasserstoff wie in den Fetten, dagegen 
ein höherer Gehalt an Sauerstoff: es könnte somit aus ersteren durch 
Austreten von Sauerstoff in irgend einer Weise ein Stoff sich bilden, der 
die Zusammensetzung des Fettes besitzt. Liebig hat Beispiele für einen 
solchen Vorgang beigebracht, um seine Anschauung wahrscheinlich zu 
machen. Bei der Gälirung spaltet sich unter dem Einflüsse niederer Or¬ 
ganismen ein zusammengesetztes Molekül in eine sauerstoffreiche und eine 
sauerstoffarme Verbindung, denn es tritt bei der Alkoholgährung aus dem 
Zucker eine gewisse Quantität von Sauerstoff in der Form von Kohlen¬ 
säure aus und es bleibt der sauerstoffarme Alkohol zurück, oder es bildet 
sich unter anderen Umständen aus Zucker, unter Abspaltung von Koh¬ 
lensäure und Wasser, das den Fetten nabestehende Fuselöl, welches durch 
Oxydation in die nach Chevreul im Delphinöl befindliche Valeriansäure 
übergeht, oder es entsteht aus dem Zucker nach Abscheidung von Koh¬ 
lensäure und Wasserstoff die zu den fetten Säuren gehörige Buttersäure 
(Pelouze u. Gélis, Scharling, Erdmann u. Marchand). Mannit geht ferner 
mit Kreide und Käse vermischt in Gälirung über und liefert dabei, ausser 
Kohlensäure, Wasserstoff und Alkohol, noch Essigsäure, Buttersäure und 
Milchsäure; Gummi und Amidon liefern bei der gleichen Behandlung nach 
Berthelot Alkohol, Milchsäure und Buttersäure. Zu diesen Stoffen kom¬ 
men nun noch die übrigen neuerdings bei der Hefegährung gefundenen, 
den Fetten nahe stehenden Producte: Glycerin, Bernsteinsäure, Essig¬ 
säure, ja es sind dabei sogar Spuren von wirklichem Fett ausserhalb der 
Hefezellen nachgewiesen worden (Pasteur, Löw1); jedoch gehen diese 
Verbindungen möglicherweise nicht aus Zucker, sondern aus eiweissartigen 
Stoffen hervor, wenigstens häufen sich nach Nägeli die in den Hefezellen 
während der Gälirung erscheinenden Fetttropfen nach reichlichem Zucker¬ 
zusatz nicht in grösserer Menge an. 
Weiterhin hat NXgeli'2 erwiesen, dass durch Spaltpilze, welche sich 
in Lösungen von Kohlehydraten unter Zusatz von anderen Stoffen ent¬ 
wickeln, Fett entsteht: in Nährlösungen mit Zucker (oder Mannit oder 
Glycerin) unter Zusatz von Ammoniak, sowie von weinsaurem oder essig- 
saurem Ammoniak mit den nöthigen Aschebestandtlieilen bildet sich Cellu¬ 
lose und Fett in millionenfacher Vermehrung aus einer unendlich gerin¬ 
gen Menge der Pilzaussaat. Das Fett muss jedoch hier nicht aus dem 
Kohlehydrat entstehen, denn es tritt der gleiche Effekt bei Fütterung 
der Pilze mit Eiweiss auf, worüber später noch berichtet werden wird. 
Auch in den höheren Pflanzen findet sich nach allen Berichten ein 
Uebergang von Kohlehydraten in Fett, und es scheint dieser Vorgang 
bei den Botanikern eine ausgemachte Sache zu sein. Die fetthaltigen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.