Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/225/
Einfluss der Temperatur der umgebenden Luft auf den Stofiumsatz. 217 
Kohlensäureausscheidung in der Kälte ist beträchtlicher als die durch 
eine Aenderung in der Athemmechanik.1 Da ferner die Verstärkung 
der Athembewegungen des Menschen in der Kälte nicht in auffallen¬ 
dem Maasse sichtbar war, während erst die grössten Verschieden¬ 
heiten in der Athemrhythmik einen erheblichen Erfolg hervorbringen, 
so muss es, wenn auch ein Theil und unter Umständen ein nicht 
unbeträchtlicher Theil der in der Kälte gesteigerten Zersetzung auf 
die verstärkte Arbeit der Athemmuskeln trifft, doch noch andere 
Ursachen des reichlichen Zerfalls und der Oxydation in der Kälte 
geben. 
Es bleibt daher nichts anderes übrig als noch weitere Wirkungen 
von Nerven auf den Umsatz im Organismus unter dem Einfluss der 
Temperatur der umgebenden Luft anzunehmen. Die Erregung der 
sensiblen Nerven der Haut durch die Kälte pflanzt sich, wie von 
anderen Haut- und Sinnesreizen schon angegeben worden ist, auf 
weitere Organe des Körpers, namentlich auf die Muskeln, fort. Die 
Nerven und Nervencentralorgane, welche nicht mehr als 3% des 
ganzen Körpergewichts ausmachen, können für sich allein, auch bei 
der grössten Thätigkeit, wohl keinen irgend erheblichen Einfluss auf 
die Gesammtzersetzung ausüben; man hat daher vorzüglich auf die 
Muskeln, welche 42°/o des Körpers und ohne das Skelett 50% des¬ 
selben betragen, aufmerksam gemacht; man nimmt daher an, dass 
vorzüglich in ihnen durch Keflex ein Einfluss auf die Zersetzung, 
selbst bei Ausschluss der willkürlichen Bewegungen, stattfindet. 
Nach meinen Versuchen am Menschen wirkt eine höhere Temperatur 
auch als ein Beiz für die sensiblen Nerven wie eine mässige Kälte. 
Es ist von vorn herein wahrscheinlich, dass durch den Kältereiz 
auf reflektorischem Wege der Umsatz ähnlich wie durch die Muskel¬ 
arbeit beeinflusst wird d. h. dass dabei nur die Zerstörung der stick¬ 
stofffreien Stoffe, nicht aber die des Eiweisses gesteigert wird. 
Man hat bei Einwirkung von Kälte auf den Organismus aus der 
Stickstoffausscheidung den Eiweisszerfall zu bestimmen versucht. Bei 
den Versuchen von Schröder2 3, Willemin 3 und C. Barth4 5 handelt 
es sich um den Einfluss kalter Bäder auf die Stickstoffausscheidung 
bei Typhuskranken, also mehr um die V irkung der Mässigung des 
Fiebers durch die Kälte. Liebermeister 5 hat bei Menschen unter 
1 Lossen, Ebenda. II. S. 244. 1866, VL S. 29S. 1S70, XIY. S. 108. 1878. 
2 Schröder, Deutsch. Arch. f. klin. Med. YI. S. 3S5. 
3 Willemin, Archives générales de médecine. IL p. 322. 1S63. 
4 C. Barth, Beitr. zurWasserbehandlung d. Typhus. Diss. inaug. Dorpat 1866. 
5 Liebermeister, Deutsch. Arch. f. klin. Med. X. S. 90. Siehe auch L. Leh¬ 
mann, Arch. d. Yer. f. gern. Arb. I. S. 53S. 1853.
        

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