Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/224/
216 Voit, Allg. Stoffwechsel. 3. Cap. Der Stoffverbrauch im thier. Organismus etc. 
gerade Veränderungen bedingt, z. B. eine reichlichere Aufnahme von 
Speise oder eine intensivere körperliche Bewegung. 
Bei den Versuchen an der Katze war der Einfluss einer grösseren 
Nahrungsaufnahme oder einer vorübergehenden stärkeren Ventilation 
des Körpers in der Kälte ausgeschlossen, aber vermehrte willkür¬ 
liche und unwillkürliche Bewegungen konnten wohl stattfinden. Nur 
bei dem Menschen sind dieselben möglichst zu vermeiden ; ich 1 habe 
daher mittelst des grossen PETTENKOFEffscben Respirationsapparates 
an einem ruhig in einem Lehnstuhl sitzenden nüchternen Mann wäh¬ 
rend 6 Stunden bei verschiedener äusserer Temperatur (ff- 4.4° bis 
30.0° C.) eine Anzahl von Kohlensäurebestimmungen gemacht. Das 
Hauptresultat, die Zunahme der Kohlensäureausscheidung in der 
Kälte gegenüber der bei mittlerer Temperatur von 14—15° tritt auch 
beim Menschen deutlichst hervor; die Vermehrung beträgt 36°/o bei 
einer Temperaturerniedrigung um 9.9°. Dagegen findet sich bei einer 
Steigerung der Temperatur nicht eine allmähliche Abnahme der Koh¬ 
lensäuremenge wie bei der Katze, sondern ebenfalls eine wenn auch 
ganz geringe Zunahme derselben, und zwar um 10% bei einer Tem¬ 
peraturdifferenz von 15.7%.2 Die Steigerung des Stoffumsatzes in 
der Kälte ist viel geringfügiger als die bei starker Muskelarbeit, wo 
die Kohlensäureabgabe um mehr als das Doppelte die bei der Ruhe 
übertrifft. 
Es sind also nicht die willkürlichen Bewegungen, welche in der 
Kälte die Kohlensäuresteigerung hervorrufen, denn das Versuchs¬ 
individuum verhielt sich in der Kammer so ruhig als möglich; je¬ 
doch war nicht zu vermeiden, dass es am Ende der Kälteversuche 
stark fror und vor Frost zitterte. Man könnte aber ausserdem die 
vermehrte Stoffzersetzung in der kalten Luft oder im kalten Bade 
noch auf die Anstrengung der Athemmuskeln, durch welche das in 
der Kälte nicht unbedeutend grössere Volum der Athemluft in die 
Lunge gebracht werden muss3, beziehen; aber die Steigerung der 
1 Voit, Ztschr. f. Biologie. XIV. S. 78. 1878. 
2 Zuntz meint (Landw. Jahrb. 1879. S. 113), dass die gesteigerte Wasserver- 
dunstung von der Haut des Menschen bei höherer Temperatur eine Abkühlung 
bedingt, welche die Wirkung der wärmeren Luft compensirt, während bei den 
Versuchen von Colasanti und Finkler die Luft stets feucht erhalten war. Dann 
müsste in der warmen Luft von 30° durch Verdunstung eine Erniedrigung der 
Temperatur der Haut wie durch eine kalte Luft von etwTa 12° entstanden sein, 
was nicht wohl denkbar ist. Eine ähnliche Beobachtung, wie ich am Menschen, 
hat auch F. J. M. Page (Journ. of physiol. IL p. 228. 1S79) an einem Hunde ge¬ 
macht ; er beobachtete ein Minimum der Kohlensäureausscheidung bei einer äusse¬ 
ren Temperatur von 25° und eine Vermehrung derselben sowohl bei Erniedri¬ 
gung als auch bei Erhöhung der Temperatur um 10°. 
3 Leichtenstern, Ztschr. f. Biologie. 411. S. 197. 1871.
        

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