Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/199/
Einfluss der Muskelarbeit auf den Gesammtstoffumsatz. 
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sich über die Ursachen des Eiweissverbrauchs gemacht hatte, sowie 
viele andere sich daran anknüpfende, scheinbar fest stehende An¬ 
schauungen um und bildete den Ausgangspunkt für neue. 
Man hätte die von mir gefundene Thatsache noch in anderer 
AVeise auslegen können. Ich habe namentlich in meinem Buche (a. 
a. 0. S. 191 u. 192) die Möglichkeit einer grösseren Zersetzung von 
Eiweiss während der Arbeit und einer nachträglichen Ausgleichung 
derselben besprochen. 
Man hätte sich nämlich zunächst denken können, dass während 
der Arbeit wirklich mehr Eiweiss umgesetzt wird als bei der Ruhe, 
dass aber bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme aus dem Eiweissvor- 
rathe derselben der Verlust alsbald wieder ersetzt wird, da ja die 
Bedingungen für den Ansatz nach meinen eigenen Erfahrungen nach 
einer Abgabe von Eiweiss vom Körper sich günstiger gestalten. Ein 
solcher Vorgang könnte jedoch nur bei reichlicher Zufuhr von Ei¬ 
weiss in der Nahrung stattfinden, jedoch nicht beim Hunger, wo 
kein Ersatzmaterial vorhanden ist. Es müsste daher beim Hunger 
eine erhebliche Vermehrung der Stickstoffausscheidung eintreten: 
aber gerade dabei ist die letztere am geringsten und kaum be¬ 
merkbar. 
Man hätte ferner vermuthen können, im hungernden Organismus 
zerfalle während der ganzen Dauer der Bewegung mehr Eiweiss, 
aber darnach, in der darauf folgenden Ruhe- oder Nachtzeit um so 
viel weniger, wodurch sich der erstere Verlust wieder ausgleichen 
und der Gesammteiweissumsatz in 24 Stunden trotz der Arbeit der 
nämliche bleiben würde wie bei völliger Ruhe. Diese von mir zu¬ 
erst ausgesprochene Möglichkeit der Erklärung der durch mich ge¬ 
fundenen Thatsache, welche Möglichkeit ich aus bestimmten Gründen 
für sehr unwahrscheinlich hielt, hat J. Ranke1 durch den Versuch 
am Menschen geprüft, indem er während des Hungers die stündliche 
Harnstoflfausscheidung bei Ruhe und zweistündiger Arbeit (Spazieren¬ 
gehen) bestimmte. Er fand statt eines allmählichen Sinkens dersel¬ 
ben in den Vormittagsstunden entweder schon während der Stunden 
der körperlichen Bewegung oder erst in der darauf folgenden Ruhe¬ 
periode ein geringes Ansteigen, das dann von einer nachträglichen 
raschen Verminderung abgelöst wird. Die dabei eiutretende Vermeh¬ 
rung der Harnstoffausscheidung war aber so geringfügig, für die 
Stunde höchstens 0.5 Grin, betragend, dass sie in gar keinem Ver¬ 
hältnis zu der geleisteten Arbeit steht. 
1 J. Ranke. Tetanus. S. 304. 1865.
        

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