Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/187/
Einfluss von Chinin auf den Stoffumsatz. 
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Stickstoff nickt bekannt, wenn sie auch alle Speisen und Getränke 
in Qualität und Quantität gleichmässig kielten. Das Nämliche war 
bei den Untersuchungen von Herm. Jansen 1 der Fall, der beim Men¬ 
schen einen Abfall von 51.5 Grm. auf 48.0 Grm. Harnstoff fand. 
Mit allen Kautelen sind die Versuche Boeck’s1 2 ausgeführt; als 
er einem mit Fleisch und Fett im Stickstoffgleichgewicht befind¬ 
lichen Hunde Chinin zugab, zeigte sich eine um 11 % geringere 
Stickstoffausfuhr. Die deprimirende Wirkung des Chinins ist dem¬ 
nach ungleich bedeutender wie die des Morphiums. 
Das Chinin übt diesen Einfluss nicht dadurch, dass es selbst 
verbrannt wird und so das Eiweiss schützt, denn es ist ein schwer 
zersetzlicker Stoff, der grösstentheils unverändert im Harn ausgeschie¬ 
den wird. Es setzt offenbar den Eiweissumsatz herab, weil es die 
Thätigkeit der Zellen zu alteriren im Stande ist, ähnlich wie es auch 
die Wirkung der Hefezellen, Zucker in Alkohol und Kohlensäure zu 
zerlegen, hemmt. 
Nach diesen Erfahrungen erschien es von besonderem Interesse 
die Einwirkung des Chinins auf den Gaswechsel zu prüfen. 
G. Strassburg3 4 hat mittelst des ZuNTZ-RöHRicdschen Respira¬ 
tionsapparates Kohlensäurebestimmungen an tracheotomirten Kanin¬ 
chen gemacht und berichtet, dass das Chinin die Ausscheidung dieses 
Gases in nicht grösserem Maassstabe herabdrückt als es allmählich 
nach der Tracheotomie und Einbindung einer Kanüle geschieht. 
Nach Boeck und Bauer 4 ist dagegen durch den direkt herabsetzen¬ 
den Einfluss des Chinins auf die Fähigkeit der Zellen, Stoffe zu zer¬ 
legen, auch der Gaswechsel (bei Katzen) anfangs vermindert, die 
Kohlensäureabgabe um 8—14 %, der Sauerstoffverbrauch um 7%; 
später aber, wenn durch grössere Dosen Krämpfe auftreten, erscheint 
auch in Folge der heftigen Muskelcontraktionen und der dadurch her¬ 
vorgerufenen grösseren Zersetzung der stickstofffreien Stoffe eine ent¬ 
sprechende Vermehrung des Gasaustausches; beim Hund nahm dabei 
die Kohlensäuremenge im Athem um 94 °/0 zu. 
An der Verminderung des Stoffzerfalls bei kleineren Gaben be- 
1 Heem. Jansen, Unters, über d. Einfluss des Schwefelsäuren Chinins auf die 
Körperwärme und den Stickstoffumsatz. Diss. inaug. Dorpat 1872. — Jansen fand 
dagegen bei Hühnern nach Chiningaben eine Vermehrung der Harnsäureausschei¬ 
dung, also eine Steigerung des Eiweissumsatzes. 
2 Boeck, Ztschr. f. Biologie. VII. S. 422. 1871. Neuerdings hat Keamsztyk (Ar¬ 
beiten aus d. Laborat. d. Warschauer med. Facilitât. 1879. Heft 5. S. 96) an sich 
selbst, nachdem er sich ins Stickstoffgleichgewicht gesetzt hatte, durch Chinin 
eine Verminderung des Harnstoffs und der Phosphorsäure constatirt. 
3 G. Stkassbukg, Arch. f. exper. Path. u. Pharm. II. S. 334. 1874. 
4 Boeck u. Bauek, Ztschr. f. Biologie. X. S. 350. 1874.
        

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