Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/185/
Einfluss von Morphium auf den Stoffumsatz. 
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befinden beurtheilen, sind nur von geringfügigen Metamorphosen der 
Materie erzeugt, und haben, schon der verhältnissmässig kleinen 
Masse des Nervensystems halber, auf den Stoffwechsel im Grossen 
Ganzen einen kaum bemerkbaren Einfluss. 
Die Cocablätter sollen bekanntlich den Hunger bis zu 3 Tagen 
ohne Schmerzgefühl ertragen lassen und zu gleicher Zeit starke An¬ 
strengung ohne Ermüdung ermöglichen. Gazeau 1 hat den Eiweiss¬ 
umsatz unter ihrer Einwirkung untersucht und bei gleichmässiger 
Nahrung eine Vermehrung der Harn- und Harnstoffausscheidung (um 
11—24%) gefunden. Er meint, es trete durch das Cocain eine Be¬ 
schleunigung des Umsatzes ein, in Folge deren der Hungernde auf 
Kosten seiner eigenen Organe besser als sonst lebt. Es wäre von 
Interesse mit den jetzigen Hilfsmitteln die Sache genau zu prüfen. 
Nach den Versuchen von Anrep 2 tritt bei Kaninchen der Hunger¬ 
tod ohne und mit Cocain fast zu gleicher Zeit ein; auch der täg¬ 
liche Verlust am Körpergewicht schwankt in denselben Grenzen. 
8. Morphium. 
Man nahm ziemlich allgemein an, das Morphium bedinge eine 
Herabsetzung des Stoffumsatzes im Körper, bevor man im Stande 
war, eine solche mit Sicherheit darzuthun. Man sollte in der That 
glauben, dass, wenn die Athemfrequenz geringer wird, der Puls selte¬ 
ner ist, der Blutdruck abnimmt, die Körpertemperatur sinkt, dann auch 
die Zersetzungsprocesse im Körper bedeutend verringert sein müssten. 
Vom Opium hatte Boeckee1 3 auf Grund von Versuchen an Men¬ 
schen angegeben, dass es die Menge der festen Bestandtheile im 
Harn vermindere, und einzelne Kliniker sprachen dem Morphium die 
Eigenschaft zu, die Consumption des Körpers z. B. bei Phthisis pul¬ 
monum zu verzögern. Dass Boecker’s, sowie Anderer Methode ganz 
unzureichend war, habe ich 4 genugsam hervorgehoben. 
Boeck 5 brachte einen Hund durch Fütterung mit Fleisch und 
Fett in das Stickstoffgleichgewicht und gab dann Morphium hinzu; 
es zeigte sich dabei ein um etwa 6 °/o geringerer Eiweissverbrauch. 
Viel eingreifender ist jedoch nach den Untersuchungen von Boeck 
und Bauer'5 6 die Wirkung des Morphiums auf die Abgabe von Kohlen¬ 
säure und die Aufnahme von Sauerstoff. Es kommt hier sehr darauf 
1 Gazeau, Compt, rend. II. p. 799. 1870. 
2 Anrep, Arch. f. d. ges. Physiol. XXI. S. 69. 1879. 
3 Boecker, Beitr. z. Heilk. S. 181. 1849. 
4 Yoit, Unters, über d. Einfluss des Kochsalzes etc. S. 248. München 1869. 
5 Boeck, Ztschr. f. Biologie. VII. S. 420. 1871. 
6 Boeck u. Bauer, Ztschr. f. Biologie. X. S. 339. 1874. 
Handbuch der Physiologie. Bd. VI. 
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