Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/128/
120 Voit. Allg. Stoffwechsel. 3. Cap. Der Stoffverbrauch im thier. Organismus etc. 
tender, als solches ans dem Darmkanal in die Säfte aufgenommen J, 
und es steht nicht fest, ob auch der Thierkörper im Stande ist, das 
resorbirte Pepton in Eiweiss umzuwandeln. Es kann daher nur das 
Studium der Zersetzungsvorgänge über die Bedeutung des Peptons 
entscheiden. 
Es ist von vornherein wahrscheinlich, dass das Pepton leicht 
zersetzlich ist; durch Aufnahme von Wasser werden die chemischen 
Verbindungen bekanntlich in ihrem Gefüge gelockert und zum Zer¬ 
fall geneigt; das Pepton geht auch leicht in krystallinische Derivate 
über, z. B. in Leucin, Tyrosin, Asparaginsäure, Glutaminsäure. Dar¬ 
nach sollte man meinen, das Pepton zerfiele rasch im Körper und 
gehe nicht mehr unter Wasserabgabe in Eiweiss über, könne also 
auch nicht ganz die Rolle des Eiweisses beim Stoffumsatz über¬ 
nehmen. Brücke nahm auch diesen raschen Zerfall des Peptons an, 
und er liess nur unverändert resorbirtes Eiweiss in den Organen sich 
ablagern. Fick1 2 suchte dafür den Beweis zu bringen, indem er nach- 
wies, dass die Einspritzung von Peptonlösung in die Jugularvene 
eines Kaninchens in kurzer Zeit die Harnstoffausscheidung im Harn 
steigert; er will durch die Leichtzersetzlichkeit des Peptons im Gegen¬ 
satz zum Eiweiss die vermehrte Stickstoffausscheidung nach reich¬ 
licher Eiweissaufnahme erklären, und er nimmt an, dass nur der 
kleine Bruchtheil von Eiweiss, welcher der Peptonisirung entgeht, 
zum Ersatz der abgenützten Gewebe diene. 
Ueber den Stoffumsatz im Körper unter dein Einflüsse des Pep¬ 
tons liegen nur einige wenige Untersuchungen vor, welche keinen 
sicheren Entscheid brachten. Dieselben bieten deshalb grosse Schwie¬ 
rigkeiten dar, weil ganz reines Pepton nur schwer in genügender 
Menge zu Ernährungsversuchen an grösseren Hunden herzustellen ist 
und die Thiere dadurch leicht Diarrhöen bekommen, auch die un¬ 
gewohnte, bitter schmeckende Speise zu verzehren verweigern. Ich 
halte es für unmöglich ausschliesslich so viel Pepton, selbst wenn 
es im Uebrigen völlig die Bedeutung des Eiweisses haben sollte, zu 
geben, dass dabei ein Thier kein Eiweiss und kein Fett mehr vom 
Körper verliert. Ein einwurfsfreier Versuch lässt sich daher nur so 
anstellen, dass man zu der nöthigen Quantität stickstofffreier Stoffe 
Pepton giebt und zusieht, ob man den Körper damit auf dem Stick- 
1 Brücke, Sitzgsber. cl. Wiener Acad. XXXVII. S. 131. 1859, LIX. (2) S. 612. 
1869. — Voitu. Bauer,Ztschr. f.Biologie. V. S.568. 1869. — Knapp, Gaz.hebd. 1857. 
p. 397. 
2 Fick, Arcb. f. d. ges. Physiol. V. S. 40. 1871 ; Würzburger Verhandl. II. S. 122. 
1871.
        

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