Bauhaus-Universität Weimar

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Leben nothwendigen anorganischen Salze in demselben Ver¬ 
hält mss, wie sie in der gewiss eine genügende Nahrung, dar¬ 
stellenden Milch enthalten sind, Wasser, alles in genügender 
Menge, und trotzdem starben sie mit und ohne Eisen in der 
gleichen Zeit. 
Sie slarben aber auch nach ungcfiihr der gleichen Zeit 
wie die Mäuse, welche Lunin, mit einer ganz, anders zu- 
sammengesetzten, aber auch künstlichen Nahrung gefüttert 
hatte; und auch bei Lunin lebten Mause, welche er mit 
natürlicher Nahrung unter den gleichen äusseren Bedingungen 
gehalten hatte, beliebig lange Zeit. 
Es scheint also, dass wir zur Stunde noch nicht alle 
zum Leben nothwendigen Stoffe kennen und dass, da der 
eine, der vielleicht nur in ganz geringer Quantität vorhanden 
zu sein braucht, fehlt, die übrigen nach dorn bekannten Gesetz 
des Minimums von Liebig1) nicht verwertet werden können. 
Für diese Annahme spricht der Umstand, dass die Mäuse 
bei ihrem Tode stets, alle ohne Ausnahme, bedeutend an 
Gewicht verloren hatten. Man könnte daran denken, dass 
dieser mangelnde Stoff vielleicht eine Eiweissverbindung sei, 
und dass das in beiden Versuchsreihen dargereichte Ëiweiss 
nicht alle nothwendigen Ei weissarten enthalten habe. 
Wie dem auch sei, in der Milch und im Eidotter, ist 
dieser oder diese fehlenden Stoffe sicherlich enthalten und 
sie dort zu suchen und zu finden, ist die erste Aufelbe, die 
man sich stellen muss, bevor man neue Fütterungsversuche 
veranstalten kann. 
Der naheliegende Einwand, dass die Mäuse mit der 
künstlichen Nahrung deswegen früher zu Grunde gegangen' 
seien als die mit der natürlichen, weil erstcren die Nahrung 
nicht geschmeckt und sie deswegen zu wenig gefressen hätten« ’ 
erscheint mir nicht berechtigt, weil sie thalsächlich bis zu 
ihrem Tode begierig frassen (confer. Seite 131); 
Für die Lösung der Frage nach der Resorbirbarkeit des 
Lidotiereisens haben diese Versuche nur in so weit Werth, 
') J. Liebig: Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur u 
nivs olog., Aufl. 9. 1876, S. 332.
        

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