Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien über den Stoffwechsel in der Bierhefe. I. Beiträge zur Kenntniss der Bildung des Glycerins bei der alkoholischen Gährung
Person:
Udránszky, L. von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16768/10/
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In diesem letzten Versuche haben sich — besonders 
gegen das Ende des Versuches zu — Gasblasen aus der 
Flüssigkeit entwickelt. Es trat hierbei der Geruch von Am¬ 
moniak und Schwefelwasserstoff auf. Bei den ersten Ver¬ 
suchen war hingegen keine Gasentwickelung in der Flüssigkeit 
bemerkbar gewesen. Eine kleine Probe der Hefe, nach dem 
Abschluss der ersten zwei Versuche aus der Flüssigkeit heraus¬ 
geholt, vergährte den Zucker ebenso gut, wie vor dem Ver¬ 
such. Sie zeigte auch das gleiche üppige Wachsthum auf 
Kartoffelscheiben. Die Hefe war im Lauf beider Versuche 
durch verschiedentliche Spaltpilz- und Schimmelkeime ver¬ 
unreinigt geworden; hierfür sprach die Entwickelung recht 
zahlreicher Bactérien-, und einiger Schimmelpilzcolonien auf 
der Gelatineplatte. Sie schien jedoch trotz dieser Verun¬ 
reinigungen von ihrer Lebensfähigkeit kaum etwas eingebüsst 
zu haben. Sie wurde auf den Kartoffelculturen — wenigstens 
bis zum 6. Tage — durch anderweitige, nebenher sich ent¬ 
wickelnde Pilze nicht unterdrückt. Im dritten Versuch, wo 
die Hefe nur mit Wasser, ohne Zusatz von Alkohol, 23 Tage 
lang stehen gelassen worden ist, hat sie ihre Fähigkeit, Gäh- 
rung zu erregen, beinahe vollständig eingebüsst. Sie wuchs 
auch recht dürftig auf den Kartoffelscheiben, und wurde sehr 
bald durch andere Pilzarten überholt. 
Die Hefe hat in allen diesen Versuchen keinen Zucker 
für ihre Ernährung zur Verfügung gehabt. Sie war über¬ 
haupt frei von löslichen Stoffen, die ihr an und für sich die 
Assimilation von Kohlenstoff möglich gemacht hätten. Das 
neugebildete Glycerin ko.nnte nur aus der Sub¬ 
stanz der Hefe selbst entstanden sein. Es muss 
also entweder durch den Stoffwechsel der Hefe 
gebildet wrorden sein, oder es ist aus Processen 
hervorgegangen, die mit dem Zerfall von Hefe¬ 
zellen verknüpft sind. 
Hätte die Hefe an ihrer Substanz in der Weise gezehrt, 
dass sie, auf Kosten dieser, Zucker gebildet und den dann 
in Kohlensäure, Alkohol, Glycerin und Bernsteinsäure gespalten
        

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