Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentaluntersuchungen über die Frage nach dem Freiwerden von gasförmigem Stickstoff bei Fäulnissprocessen
Person:
Ehrenberg, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16650/8/
Inzwischen — als der experimentelle Theil dieser Arbeit 
bereits beendet war — ist von Hoppe-Seyler!) über Fäul- 
nissversuche berichtet worden, aus denen hervorgeht, dass 
sich bei Abwesenheit von Sauerstoff kein Stickstoff entwickelt. 
Als Hoppe-Seyler Schlamm mit pflanzlichem Detritus etc. 
in einem vollständig abgeschlossenen Kolben mit angeschmol¬ 
zenem Gasleitungsrohr, welches unter Quecksilber mündete, 
faulen liess, so erhielt er nur in den ersten Tagen (her¬ 
rührend von der im Wasser noch enthaltenen atmosphärischen 
\Luft) geringe Stickstoffmengen, später nur Sumpfgas und 
Kohlensäure. Als Hoppe-Seyler aber das Fäulnissgemisch 
in einer mit Kautschukstopfen und eingesetztem Gasleitungs¬ 
rohr versehenen Flasche sich selbst überliess, fanden sich 
stets nicht unbeträchtliche Quantitäten Stickstoff in dem ent¬ 
weichenden Gase, und zwar sowohl im Anfang des Versuchs, 
wie am Ende (nach etwa 2 Jahren). 
Hoppe-Seyler (dem es im angegebenen Falle nicht 
auf das Eintreten von Stickstoff, sondern von Sauerstoff aus 
der atmosphärisch on Luft ankam) hat sich dann durch einen 
directcn Versuch von der Undichtheit eines derartigen Ver¬ 
schlusses überzeugt. In ein einseitig mit Kautschukstöpsel 
geschlossenes Rohr, welches mit Sumgfgas und Kohlensäure 
gefüllt über Quecksilber aufgestellt war, waren im Verlaut 
von 14 Tagen 6,G 41 °/« Stickstoff und 0,ö77 % Sauerstoff ein¬ 
gedrungen, während 5,585% Kohlensäure und 1,733% Sumpf¬ 
gas entwichen waren. Hoppe-Seyler glaubt diese Er¬ 
scheinung* als eine Diffusion durch die Gummiplatte auffassen 
zu müssen. — Dass Kohlensäure durch Kautschukplatten 
wandert, ist eine bekannte Erscheinung, beim Sauerstoff wird 
dieses Verhalten sogar technisch zur Darstellung von Sauer¬ 
stoff aus atmosphärischer Luft ausgenützt: vom Stickstoff 
aber darf eine Diffusion nach den Versuchen von Wroblewski 
wohl kaum angenommen werden — jedenfalls ist aber in 
den capillaren Zwischenräumen zwischen Glaswandung und 
Gummistopfen Gelegenheit zu derartigem Austausch gegeben. 
L Zeitschr. f. physiol. Chemie, Bd. X, S. 424.
        

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