Bauhaus-Universität Weimar

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Obgleich nun die Krankheitssymptonie bei einigen Per- 
^onen so ungemein heftig zum Ausbruch kamen, war doch 
kein letaler Ausgang zu beklagen. Von den zuerst herbei- 
gerufcncn Aerzten glaubten einige es mit einer Arsenik Ver¬ 
giftung zu tliun zu haben und verordneten demgemäss Eisen- 
oxydliydrat, andere beschränkten sich auf Gaben von Alkohol 
und Excitanticn und verhielten sich bei den weniger Besorg¬ 
nis* erregenden Fällen rein expectativ. ; 
Alle 300 Erkrankungsfälle waren verursacht durch 11 
Käse, von denen 9 in ein und derselben, die übrigen 3 in 
3 verschiedenen Meiereien fabricirt waren. 
Es war mir möglich, von allen Käsen mir zu verschaffen 
(\on 10 allerdings nur wenig, von den übrigen beiden jedoch 
ungefähr je 18 Kil.). Die Käse waren vollkommen vorschrifts- 
mässig gemacht und an ihnen durchaus nichts Auffälliges 
durch Geruch oder Geschmack zu bemerken; jedoch zeigten 
sich auf der frischen Schnittfläche zahlreiche Tröpfchen einer 
schwach opalescirenden Flüssigkeit, die blaues, Lakmuspapier 
sofort intensiv rüthete. Obgleich ein Mensch an den Käsen 
nichts Besonderes am Geruch bemerken konnte, so wusste 
doch ein llund sowohl wie eine Katze sehr sicher, den guten 
Käse vom giftigen zu unterscheiden; Legte man den Thicren 
hide vor, so suchten sie sich stets den guten aus, ohne 
jedoch den giftigen, wenn man ihnen denselben allein vor- 
legle und sie hungrig waren, zu verschmähen. 
tütterungsversuche an Hunden und Katzen hatten keinen 
tifolg; eine Katze, die ich 7 Tage lang bei giftigem Käse 
und Wasser hungern liess. zeigte, obgleich sie von dem Käse 
gefressen halte, durchaus nichts Abweichendes von lier Norm, 
\veder während, noch nach Ablauf dieser 7 Tage. Die sorg¬ 
fältigste Section ergab durchaus nichts, nicht einmal die Mägen* 
Schleimhaut schien angegriffen zu sein. Aus dem, was ich 
l*iv jetzt über das Gift weiss, habe ich die Üoberzeugung 
gewinnen können, dass es in reichlichen Dosen bei niederen 
Thicren eine Einwirkung zeigen wird.
        

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