Bauhaus-Universität Weimar

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säuren sämmtlich aus dem Harn. Allein während mit 
den Aetherschwefelsäuren die Umwandlungsprodukte des 
Indols, Phenols und anderer Produkte der Eiweissfäulniss 
im Harn fehlen, ist das Gleiche nicht der Fall mit don 
aromatischen Oxysäuren. Wenn auch verringert, blieben sie 
doch während der ganzen Dauer des Versuchs im Harn deut¬ 
lich nachweisbar. Die Oxysäuren, welche hier nicht an 
Schwefelsäure gebunden sind, verdanken also ihre Entstehung 
nicht ausschliesslich der Darmfäulniss, aber ihre Menge im 
Harn steht auch nicht in directem Verhältnisse zu der im 
Thierkörper umgesetzten Menge von Tyrosin. Denn als nacli 
dem G. Tage dem Hunde 5 gr. Tyrosin verabfolgt wurden, 
erfolgte keine Vermehrung der Oxysäuren im Harn und keine 
Bildung von Aetherschwefelsäuren. Das zur Resorption ge¬ 
langte Tyrosin wurde vielmehr durch den Stoffwechsel völlig 
oxydirt. 
Es ist eine bemerkenswerthe Erscheinung, dass das 
Tyrosin ebenso wie die Phenylamidopropionsäure, so weit 
diese Substanzen nicht durch die Fäulniss schon im Darm 
umgewandell werden, vollständig oder bis auf ganz geringe 
Reste im Stoffwechsel verschwinden. Schotten hat dar- 
gethan, dass die Oxydation dieser Substanzen erfolgt oder 
bedingt ist wesentlich durch die in ihnen enthaltene Amid¬ 
gruppe und dass diese Art der Zersetzung im Organismus 
nur denjenigen Amidosäuren der aromatischen Reihe, welche 
eine Seitenkette von 3 Kohlenstoffatomen enthalten, zukommt. 
Ich habe diese Erfahrung auch für die a-Amidozimmtsäure 
(CeHsCH = CNHaGOOH), welche von Plöchl *) kürzlich 
dargestellt worden ist, bestätigen können. 2,5 gr. dieser 
Säure, welche als salzsaures Salz einem Kaninchen in den 
Magen gebracht wurden, bewirkten weder Vermehrung der 
Hippursäureausscheidung noch der Aetherschwefelsäuren im 
Harn. Durch einen Controlversuch habe ich mich auch 
überzeugt, dass die Amidosäure nicht unverändert in den 
Harn übergetreten ist. Die a-Amidozimmtsäure erfährt wie 
!) Deutsche Chemische Gesellschaft,i,Bd. 17, S. 16ii0.
        

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