Volltext: Ueber einen neuen stickstoffhaltigen Pflanzenbestandtheil (10)

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welcher durch Natronlauge roth gefärbt wurde. Aus der 
Auflösung der Substanz in Salzsaure krystallisirtc das salz- 
<aure Salz in feinen Nadeln. Als der Lösung dieses Salzes 
(hergestellt unter Zusatz einiger Tropfen verdünnter Salz¬ 
säure) Pikrinsäure-Solution zugefügt wurde, seined sieh nach 
kurzer Zeit das pikrinsaure Salz in gelben, zu Kugeln .ver- 
einigten Krystallflittern aus, im Aussehen vollständig mit dem 
Pikrinsäuren Guanin übereinstimmend und den von Cap ra¬ 
ni ca1) gemachten Angaben entsprechend. Mit ammoniakalischer 
Silbersolution gab die Lösung des salzsauren Salzes eine in 
Ammoniak unlösliche Fällung, welche sich in beisser ver¬ 
dünnter Salpetersäure (vom specifischen Gewicht 1,1) aullöste; 
aus der Lösung schieden sich während des Erkaltens feine 
nadelförmige Krystalle aus. 
Das aus dem Yernin erhaltene Spaltungsprodukt stimmte 
also in seinem Verhalten vollkommen mit Guanin überein: 
und da bis jetzt ausser letzterem keine Substanz bekannt ist, 
welche alle oben aufgeführten Reaktionen giebt, so muss 
jones Spaltungsprodukt für Guanin erklärt werden. Eine 
Idcntificirung durch Elementaranalyse vermochten wir bis 
jetzt nicht auszuführen, da wir nur Wenig Verum für die Zer¬ 
setzung verwenden konnten und demnach das beschriebene 
Spaltungsprodukt nur in geringer Menge erhielten. 
Sowohl das aus den Wicken, wie das aus den anderen 
Materialien (Kürbiskeime und Mutterkorn) dargestcllle Vornin 
lieferte bei der Zersetzung die dem Guanin gleichende Sub¬ 
stanz. Die Ausbeute daran betrug ungefähr Va vom Gewicht 
des angewendeten Vernins. Welche Produkte daneben bei 
der Zersetzung des Vernins noch entstanden, vermögen wir 
zur Zeit nicht anzugeben (auf Zucker wurde die Zersetzungs- 
llüssigkeit mit negativem Resultat geprüft). 
Dass in den Vcrnin-Präparaten das Guanin nicht als 
solches enthalten gewesen sein kann, sondern sich erst bei 
l) Diese Zeitschrift, Dü. f, S. 2.33.
	        
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