Bauhaus-Universität Weimar

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und kann vielleicht erst im unteren Theile des Darmes, wo 
die Reaktion des Chymus alkalisch wird1), zur Resorption 
iflangen. Auf diesem langen Wege ist natürlich die (Jefahr 
der Zersetzung sehr gross. 
Insbesondere wäre es möglich, dass die Zerstörung der 
oiganischen Eisenverbindungen im Darme durch Schwefel¬ 
alkalien bewirkt wird. Gelangen die Fermentorganismen, 
welche die buttersaure Gährung hervorrufen— in Folge unge¬ 
nügender Secretion der antiseptischen Salzsäure im Magen— 
in den Darm, so kommt es dort zur Entwickelung von Wasser¬ 
bett und zur Bildung von Schwefelalkalien aus schwefel- 
sturen Salzen. Die Schwefel alkali en zerstören, wie 
meine Versuche gezeigt haben, das Hämatogen. Die 
anorganischen Eisenpräparate aber müssen den 
Schwefel binden, bevor er auf die organischen 
Eisenverbindungen einwirken kann; ’ 
Mit dieser Annahme aufs Beste vereinbar wäre die in 
neuester Zeit gemachte Angabe2), dass durch Darreichung 
von Salzsäure (2 bis 4:200, nach dem Essen 1 bis 2 Ess¬ 
löffel) die Chlorose noch erfolgreicher sich behandeln lasse 
als mit Eisenpräparaten. Die Salzsäure ist das normale 
Antisepticum. 
Schliesslich findet durch meine Hypothese auch die That- 
Niche ihre Erklärung, dass die Eisenpräparate nur bei der 
0hlol*!ose, nicht aber bei anderen Formen der 
Anämie sich als wirksam erweisen. Bei allen denjenigen 
formen der Anämie, bei welchen die Ursache der gestörten 
Blutbildung jenseits der Darmwand ihren Sitz hat, müssen 
die unresorbirbaren Eisenpräparate natürlich wirkungslos sein. 
0 Der hei der Einwirkung des Magensaftes entstehendehamatogen- 
haltige Niederschlag (eonfr. oben S. 51) löst sich leicht in verdünnter 
l/isung von kohlensaurem Natron. Nach der Behandlung mit Alkohol 
wird das Hämatogen in kohlensaurem Natron unlöslich; es löst, sich 
•tonn nur noch in freien Alkalien. 
2) Zander: Zur Lehre von der Aetiologie, Pathogenic und 
Therapie der Chlorose. Virchows Archiv, Bd. 84, S.: 177, 1881.
        

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