Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die wissenschaftliche Grundlage der Antisepsis und die Entstehung des septischen Gifts
Person:
Zweifel, P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16452/29/
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Billroth1) hatte frisches Schweineblut, eben solches 
nach dem Defibriniren, eine dritte Probe nach Kohlensäure- 
durchleitung in seinem Arbeitszimmer angesetzt. Ohne die 
Versuche detaillirt zu citiren, will ich nur das Resultat, 
welches sie dem Autor lieferten, anführen: «dass ge wisst- 
Zustände des Blutes geeigneter für die Entwick¬ 
lung der Goccobacterien zu sein scheinen, als 
andere.» Am geeignetsten erwies sich das frische Wund- 
secret, das in der Hauptsache aus Serum mit relativ wenig 
Blutkörperchen besteht. Es ist dieselbe Flüssigkeit, wie die 
frischen Lochien. Man muss nun darauf erst die Antwort 
suchen, wie es mit dem Gasgehalt dieser Secrete bestellt ist. 
Dasselbe gilt auch vom Eiter. Ganz im Gegensatz zu der 
Wundflüssigkeit machte Billroth2) die Beobachtung, dass 
ruhig offen stehender Eiter spät fault, — also dass Wund- 
secret ganz rasch und Eiter, den wir doch als leicht zersetz- 
lich, überhaupt als Micrococcenprodukt zu betrachten geneigt 
sind, spät der Zersetzung anheimfällt. Dann kochte er vom 
gleichen Eiter eine Portion und stellte zur Contrôle die 
andere Quantität offen daneben (S. 71). Der gekochte Eiter 
faulte viel rascher als der ungekochte. Was kann das Koclmn 
anderes bewirken, als alles absorbirte Gas auszutreiben. Im 
Uebrigen kann es doch gewiss der Fäulniss nicht günstig 
sein. Allerdings musste der Eiter aus geschlossenen Eiter¬ 
höhlen, aus warmen Abscessen stammen. Auf S. 147 nennt 
Billroth nach seinen Beobachtungen den Eiter geradezu ein 
lebendes Gewebe. An dieser Stelle bezeichnet er dies 
zwar nur als einen «mystischen Begriff», doch sehe er vor¬ 
läufig keinen anderen Ausweg, das genau und sorgfältig 
Beobachtete anders zu verstehen ; vielleicht seien die Chemiker 
in der Lage einen streng wissenschaftlichen Ausdruck für 
das zu finden, was er hier im Sinne habe.» In ganz ähn¬ 
licher Weise spricht er sich auf der gleichen Seite über das 
Verhallen der Blut extravasale aus. Die Beobachtungen über 
das Verhalten der Blutextravasate im Körper bewiesen Bill* 
') C.occobaeleria septica etr., S. (50. 
') Loc. oit.. S. 71.
        

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