Bauhaus-Universität Weimar

Zur physiologischen und pathologischen Chemie dos Auges. 
Von Arnold Cnhn aus Worms. 
(Der Redaktion äbsrgebeu am 14. März 1881.) 
A. Retina. 
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So reich die Literatur bezüglich der histologischen 
Structur der Retina ist, so spärlich fliessen die Berichte be¬ 
treffs der chemischen Beschaffenheit derselben ; dieser Mangél 
machte sich besonders in der letzten Zeit geltend, in der 
so interessante Arbeiten über physiologische Vorgänge in diesem 
Organ erschienen. Man hat sich bisher immer begnügt, 
aus der morphologischen und ontogenetischen Verwandtschaft 
mit der grauen Hirnsubstanz auch auf chemische Identität zu 
schliessen *) ; mit welchem Recht, sollten meine Analysen lehren. 
Seitdem Blessig2) vor 25 Jahren die bezüglichen Be¬ 
funde Schmidt’s mitgetheilt hat, ist eine derartige Unter¬ 
suchung nicht mehr vorgenommen worden, und die zerstreuten 
microchcmischen Reactionen können kein einheitliches' Bild 
geben. Schmidt erhielt aus dem Alcoholextract mit Platin¬ 
chlorid einen crystallinischen Niederschlag, wahrscheinlich von 
Neurinplatinchlorid, der sich unter TrimethylamingerucK zer¬ 
setzte, und dann zwei Eiweiss ähnliche Körper, die trotz der 
sehr genau angegebenen Reactionen auch heute noch nicht 
genauer zu definiren sind. — Da inzwischen die Kenntnisse 
über die Bestandteile der nervösen Gewebe sich erweitert 
haben, schien es an der Zeit, auch die Netzhaut einer erneuten 
Bearbeitung zu unterwerfen, um wenigstens etwas von dem 
Substrat der Vorgänge zu erfahren, die in den jüngst ver¬ 
gangenen Jahren so lebhaftes Interesse erregten. 
Zu meinen Untersuchungen bediente ich mich vor¬ 
wiegend der Retina des Ochsenauges; zu einem bestimmten 
Zweck diente mir die gefasslose des Pferdes, die jener gegen« 
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') Kühne im Handbuch der Physiologie, heraustreir. von 
Hermann Bd. Ill, S. MO. 
*) De retinae textura disquisitiones raicroscopicae. Diss. inauir., 
Dorpati 1855, S. 67 flf. • 
Zeitschrift f. physiologische Chemie V. *15
        

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