Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Myosin, seine Darstellung, Eigenschaften, Umwandlung in Syntonin und Rückbildung aus demselben
Person:
Danilewsky, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16408/3/
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Muskeln eine dicke, opalescirende aber klare Lösung des 
Myosins dargestellt, und tropft man sie in ein hohes Gelass 
mit destillirtem Wasser, so werden die Tropfen trüblich und 
zerfallen bald. An ihrer Stelle findet sich im Wasser ein 
äusserst feines, zartes Gerinnsel, welches langsam den Boden 
des Gelasses gewinnt. Giesst man das überstehende Wasser 
weg, und spült das Gerinnsel mit sehr wenig Wasser nach, 
so zeigt es die Eigenschaften des normalen Myosins. 
Je weniger man Salmiaklösung für die gleiche Menge 
Muskelsubstanz angewendet hat, desto dickflüssiger ist die 
Myosinlösung und desto zusammenhängender und fester er¬ 
scheint das Gerinnsel auf Wasserzusatz. Die Salmiaklösung 
des Myosins wird bei 42—43° etwas trüblich, bei 45—50° 
stark trübe und bei 55° wird die Substanz flockig ausgeschieden. 
Je concentrirter die angewandte Salmiaklösung, bei desto 
niedrigerer Temperatur erfolgt die Trübung und Ausscheidung, 
jedoch nie unter 40°. Das rasch mit nicht zu viel Wasser 
durch Decantation ausgewaschene Gerinnsel zeigt nun folgende 
Eigenschaften. 
1. Es bindet Mineral säur en. Wird das Myosin¬ 
gerinnsel in wenig Wasser vertheilt, zu dem Gemisch unter 
Umrühren tropfenweise Vio normaler Salzsäure zugesetzt und 
nach jeden 1 -5 Tropfen die Flüssigkeit mittelst Tropaeolin 00l) 
auf einer Porzellanfläche geprüft, so sieht man, dass eine 
grosse Menge der Säure vom Myosin unter gleichzeitiger Auf¬ 
lösung gebunden und durch Tropaeolin als freie Säure nicht 
mehr angezeigt wird. Macht man parallel einen Versuch mit 
gleicher Menge Wasser anstatt Myosinmischung so zeigen die 
ersten Säuretropfen die Reaktion der freien Säure auf Tropae¬ 
olin. Setzt man die Salzsäure hinzu bis Tropaeolin einen 
kleinen Ueberschuss, d. h. freie Säure anzugeben anfangt, 
verdampft die Lösung und trocknet den Rückstand bei 100° 
bis zu constantem Gewicht, so findet man in der Substanz 
eine grosse Menge Chlor. Dasselbe Resultat wird erhalten, 
wenn Myosin aus den Muskeln mit irgend einer anderen 
Säure als Salzsäure ausgezogen war, durch Neutralisation 
*) Centralblatt f. d. med. Wissenschaften 1880, Nr. 51.
        

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