Bauhaus-Universität Weimar

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Conrad behauptet mit Recht auf Grund seiner Studien: 
Die mikroskopische Untersuchung der Frauenmilch gibt uns, 
wenn sie mit den nöthigen Gautelen vorgenommen wird, 
Aufschluss über Beimengung fremder geformter Bestandtheile, 
so von Blut, Eiter, Colostrumkörperchen,; Epithelzelleh, De¬ 
tritus, über regelmassige Vertheilung und Form der'Milch¬ 
kügelchen (Conglomerate, evidendes Ueberwiegen der einen 
oder anderen Form derselben) und desshalb ist sie, aber nur 
in Verbindung mit anderen Milchproben, für den Praktiker 
von unbestreitbar grossem Werthe und wir sind ganz mit 
Fleischmann einverstanden, wenn er sagt, dass derjenige 
Arzt, der mit der mikroskopischen Untersuchung der Frauen¬ 
milch einmal vertraut ist, dasselbe jedesmal gerne zu Rathe 
ziehen wird. 
Die chemische Beschaffenheit der Frauenmilch. 
Aus den bisherigen Analysen geht zur Genüge hervor, 
dass in den Mengenverhältnissen der Bestandtheile sich grosse 
Differenzen finden zwischen der Frauenmilch im Vergleiche 
mit den Milchen anderer Thiere. Es ist leicht erklärlich, 
dass das junge Kalb, welches gleich nach der Geburt laufen 
muss, einer Milch bedarf, die durch Reichthum an plastischer 
Materie geeignet ist zur Bildung seiner Muskeln. Das Kind 
im Gegentheil, welches nicht nöthig hat, seine Kräfte so früh¬ 
zeitig auf die Probe zu stellen, welches also durch diese 
Unthätigkeit einer Wärmequelle beraubt ist, empfangt eine 
Milch ärmer an Eiweiss, aber reicher an verbrennbaren 
Materien, Butter und Zucker (B ou chut.). Dabei zeigt die 
Schwäche und Durchsichtigkeit der Magenschleimhäute und 
eine Untersuchung des Verdauungscanals, dass die Verdauung 
bei dem neugeborenen Menschen sich nur auf solche Nah¬ 
rungsmittel erstrecken kann, welche vom Mageh oder DaVm- 
canal weder Kraft noch Aufwand zu ihrer Verarbeitung 
bedürfen (Dr. B r ö c h a r d). Ist es daher. erstaunlich, dass 
man bei den bisherigen Versuchen mit der künstlichen Er¬ 
nährung auf so grosse Widerstände stiess, wenn man sich 
um diese wichtigen Factoren nicht im Mindesten kümmerte? 
Man gab und gibt den Kindern Kuhmilch* mit Wasser ver-
        

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