Bauhaus-Universität Weimar

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Schon die gleichmässige Probenahme bei solchen Unter¬ 
suchungen ist mit bedeutenden [Schwierigkeiten verknöpft. 
Bouchardat und Quevenne sagen (S. 160) mit Recht: 
Wenn man eine Analyse oder sonst eine Untersuchung der 
Frauenmilch ausführen mus, so wirft sich Einem vor Allem 
die sehr wichtige Frage auf, zu welcher Zeit muss man die 
zu untersuchende Probe aus der Drüse entnehmen? Diese 
Schwierigkeit findet man nicht bei den Milchen der Kühe 
und Ziegen, weil diese Thière aus Gewohnheit ihre Gesammt- 
milch immer zu einer bestimmten Stunde liefern. Für die 
Frau sind diese Umstände ganz andere; zunächst findet man 
solche, deren Milch sehr schwer fliesst beim Drücken oder 
künstlichen Saugen, ferner muss man sich fast immer zu 
verstehen wissen mit einer geringen Menge, ohne das volt- 
ständige Ausmelken vorzunehmen; man ist also beinahe immer 
gezwungen seine Versuche mit einem Theile auszuführen. 
Es ist daher unerlässlich die Bedingungen genau anzugeben, 
welche man für die Probenahme für nöthig erachtet. Man 
könnte ohne diese die grössten Irrthümer begehen bei den 
Deductionen, welche man aus der Analyse oder der Unter¬ 
suchung macht. Die Wichtigkeit dieser Behauptung wird 
deutlich werden, wenn man die Gehaltsunterschiede der ver¬ 
schiedenen Portionen eines einmaligen Melkens in Betracht 
zieht (S. 74). Man findet, dass z. B. die erstgemolkene Por¬ 
tion einer Milch bei der lactoskopischen Untersuchung 155 
.ergab, bei 5,5 pro mille Butter, während die. letzte Portion 
lactoskopisch 92 anzeigte, bei 11,5 pro mille Buttei! 
Fleischmann sucht den heiklen Punkt in der Probe¬ 
nahme zu umgehen, indem er anführt, die einzige Vorsicht, 
die man hierbei anzuwenden hat, ist, dass man jene Milch 
zur Untersuchung nimmt, welche ausfliesst, wenn die Sekre¬ 
tion im vollen Gang ist; also weder die ersten noch die 
letzten Tropfen. Doch ist dieser Vorschlag nur ein Palliativ. 
Habe ich nun im Vorhergehenden nachzuweisen gesucht, 
dass durch die mikroskopische Untersuchung schwerlich ein 
genauer Nachweis über die Güte derselben geliefert werden 
könne, so ist und bleibt sie dennoch ein sehr wichtiges Mittel,
        

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