Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Heilversuche mit Salicylsäure und Benzoesäure bei der Schlaffsucht der Seidenraupen
Person:
Cech, C. O.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16382/3/
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analoger Weise durch Antiseptica bewältigt werden kann, 
als es bei der Brutpest der Bienen der Fall ist. " . 
Ueber das eigentliche Wesen der Schlaffsucht und deren 
Entstehen ist eine vollkommene Klarheit bisher auch nicht 
erlangt worden, nur hat die Beobachtung der erkrankten 
Raupen ergeben, dass die Schlaffsucht ausgeht von-einer 
ansteckenden Affection des Darmkanals,' resp. des Magen¬ 
saftes, die an die abnorme Entwickelung eines organisirten 
Fermentes von Bactérien im Darm gebunden ist. Im Gegen¬ 
sätze zu der Fleckenkrankheit, wo das organisirte Ferment, 
nämlich die Cornaiia’schen Körperchen, primär im Blute 
auftritt. Bei der Schlaffsucht ist die nachtheilige Veränderung 
des Blutes und die von ihr abhängige Ernährung aller Gewebè 
erst die secundäre Folge der primären Störungen des Ver¬ 
dauungsapparates. Es sollte demnach durch Versuche fest¬ 
gestellt werden, dass wirklich im Verdauungsapparat lebender 
Seidenwürmer Salicylsäure, Benzoesäure ü. A. in. dieselbe 
Rührung hemmende Kraft besitzen, wie ausserhalb des Or¬ 
ganismus. 
Herr Prof. F. Cohn stellte cs als dringend wrühschens- 
werth auf, dass möglichst vielseitige Versuche über die 
AVirkung antiseptischer Mittel auf die Seidenraupen gemacht 
werden. Denn, dass sich unzählige, unendlich kleine, lebende 
Wesen (Bactérien) im Magen schlaffsüchtiger Seidenraupen 
entwickeln und vermehren, ist eine von Pasteur zuerst 
erklärte, von F. Cohn und vielen anderen Forschern be¬ 
stätigte Thatsache. Auch war es wohl nicht zu bezweifeln, 
dass der Ansteckungsstoff der Schlaffsucht mit dieser abnormen 
Racterien-Vermehrung in directem Zusammenhänge steht. 
Da aber die erwähnten antiseptischen Mittel die Ver¬ 
mehrung der Bactérien schon in äusserst geringen Mengen 
ganz ausserordentlich verlangsamen oder gänzlich aufHeben, 
so war die Hoffnung nicht unbegründet, dass sich auch bei 
dieser Seidenraupenkrankheit die Heilkraft antiseptischer 
Mittel bewähren werde. 
Versuche, welche F. Cohn mit den Pilzen im Labora¬ 
torium vorgenommen hatte, ergaben, dass bei einer gewissen
        

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