Bauhaus-Universität Weimar

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Bacillen zeigen wieder keine Veränderung — weder Quer- 
theilung — noch Losreissen noch Auswachsen in die Fäden. 
Um 5 Uhr Abends, also nach (i Stunden wird der Versuch 
unterbrochen, mit dem ziemlich grossen Tropfen aus der 
Recklinghausen’sehen Kammer zunächst eine Maus geimpft, 
welche nach 34 Stunden an Milzbrand zu Grunde gieng. Ein 
anderer Theil des Tropfens wird in eine Paraffinzelle gebracht 
und in den Brütofen gestellt. Am folgenden Tage d. i. nach 
18 Stunden ergiebt die Untersuchung, dass die Bacillen im 
Präparat zu langen Fäden mit Sporen ausgewachsen sind. 
Diese Versuche mit Kohlensäure sind in doppelter Hin¬ 
sicht bemerkenswerth — denn (1.) findet hier bei Beginn des 
Versuches bei Bacillen, die schon nach dem Tode dem milz¬ 
brandkranken Kaninchen entnommen sind Losreissen der Glie¬ 
der statt — eine Erscheinung, die ich im Sauerstoffstrome und 
Luftstrome nie gesehen habe und (2.) tritt im Kohlensäure¬ 
strome nie eine Verlängerung (Wachsthum) der Bacillen 
ein. Aus allen Versuchen mit Kohlensäure ergiebt sich ferner, 
dass wenn auch nach diesem Reizungszustand absolute Ruhe 
folgt — die Bacillen doch ihre Vitalität nicht verlieren, wie 
dies die erfolgreichen Impfungen beweisen. Möglich, dass die 
Bacillen nur so lange auf das ihnen schädliche Element 
«Kohlensäure» reagiren, als noch der Tropfen für sie ver¬ 
wendbaren Sauerstoff in der Recklinghausen’schen Kammer 
enthält. Ist auch dieser verbraucht, so stellt sich der Zu¬ 
stand absoluter Ruhe ein. Als ich — wie schon oben er¬ 
wähnt — einige Cbctm. milzbrandbacillenhaltigen Blutes in 
ein gebogenes und an drei Stellen kuglig ausgeblasenes Glas¬ 
rohr brachte, sodann eine Stunde lang durch das Blut Kohlen¬ 
säure durchleitete und hierauf im Kohlensäurestrome das Rohr 
an beiden Enden zugeschmolzen habe,* — konnte ich mich 
überzeugen, dass längeres Verweilen in reiner Kohlensäure¬ 
atmosphäre die Bacillen tödtet. Ich habe das zugeschmolzene 
Glasrohr in dem Brütofen 24 Stunden stehen gelassen und 
nach dieser Zeit dann das Blut mikroskopisch untersucht. 
Die Bacillen haben ihre scharfen Gontouren verloren — sie 
scheinen aus kurzen rundlichen, körnigen, lose zusammen-
        

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