Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Principien der mechanischen Naturauffassung. Einleitung zur heutigen Physiologie, ein Cyclus von zehn Vorlesungen: X. Rückblick: die Umwandlung der einzelnen Bewegungsformen ineinander; die theoretische Erklärung des Wesens der Transformationen
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16325/11/
X. Rückblick : die Umwandlungen der einzelnen Bewegungsformen etfe 2S5 
der Atome und Atomcomplexe bestellen, sind, dem Gesetze der Erhal¬ 
tung der Kraft zufolge, ebenso unvermeidbar und unzerstörbar wie die 
Atomkräfte selbst. — Es kann zwar ein bestimmter Ruhezustand, eine 
bestimmte Bewegung längere oder kürzere Zeit unverändert sich er¬ 
halten oder aber sich verändern, neu entstehen und wieder verschwin¬ 
den, also scheinbar vernichtet werden, die Vertheilung und 
Gruppirung der Atome und Atomcomplexe im Raume, 
welche hierdurch besteht oder herbeigeführt wird und also überhaupt 
die Vorgänge und Zustände in der Natur, welche in irgend einem 
Augenblicke vorhanden sind, sind aber immer und unter allen Um¬ 
ständen das Resultat einer constanten und unveränder¬ 
lichen Summe von Bewegung hemmenden und Bewegung 
erzeugenden Kraftäusserungen. Die Quantitäten der Kraft¬ 
äusserungen in der einen Form (Widerstand, Bewegungshemmung) 
können zwar zunehmen oder abnehmen; allein indem hierdurch jedes¬ 
mal die Quantitäten der Kraftäusserungen in der andern Form (leben¬ 
dige Kraft, Bewegungserze ugungj in genau äquivalenten Mengen in 
entgegengesetztem Sinne sich verändern, so bleibt die Summe der 
Kraftäusserungen und Wirkungen absolut constant. 
Mit anderen Worten : die elementaren Naturkräfte gehören so zu 
sagen zum Fundus instructus der Materie — und nicht nur kann die 
Naturkraft an sich. was schon a priori feststeht, ebenso wenig zer¬ 
stört als geschaffen werden : sondern es kann auch die durch ein ge¬ 
wisses Quantum derselben hervorgebrachte Wirkung, abgesehen von 
der Form ihrer Erscheinung, niemals ganz oder auch nur theilweise 
vernichtet werden: denn jede Wirkung, oder, was dasselbe ist, jede 
Veränderung, welche durch ein gewisses Quantum Kraft bewirkt wird, 
ist eine doppelte, d. h. hat zwei Seiten, und besteht darin, dass einer¬ 
seits jene Anordnung des Stoffs, d. h. jene Vertheilung der Materie im 
Raume verschwindet, unter welcher ein äquivalentes Quantum Kraft in 
Form von Spannkraft vorhanden war ; dass aber andererseits zugleich 
an einem anderen Orte Bewegungen entstehen, welche einem gleichen 
Quantum Kraft in Form von lebendiger Kraft genau entsprechen. Bei 
jeder Arbeitsleistung, bei jedem Vorgang in der Natur, als einer durch 
ein bestimmtes Quantum Kraft bewirkten Veränderung der Anordnung 
der Ruhe und Bewegungszustände der einzelnen Atome und ganzen 
Atomcomplexe ist das Verschwinden des dazu aufgewendeten Kraft- 
quantums nur scheinbar: denn dieses Quantum bleibt unter allen 
Umständen unverändert erhalten ; dasjenige was allein verschwindet, 
was allein wechselt und sieh verändert, das sind nur die Zustände 
und Erscheinungsformen der Kraft. Die erstereu bezeichnen wir als
        

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