Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Principien der mechanischen Naturauffassung. Einleitung zur heutigen Physiologie, ein Cyclus von zehn Vorlesungen: VIII. Wärme ist wesentlich Bewegung, - die Art derselben
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16323/1/
VIII. 
Wärme ist wesentlich Bewegung, — die Art derselben. 
Nachdem wir die engste Beziehung zwischen Wärme und mecha¬ 
nischer Arbeit, ja sogar für die Wärme ein mechanisches Maass, ihr 
sogenanntes mechanisches Aeqnivalent aufgefunden haben, so dass wir 
jetzt Wärmemengen durch Fusspfunde oder Kilogrammmeter ebenso 
gut messen und numerisch ausdriicken können wie durch Wärmeein¬ 
heiten oder Calorien — liegt uns natürlich nichts näher, als nach dem 
eigentlichen Wesen der Wärme zu fragen. Ist die Wärme ein be¬ 
sonderer Stoff? oder ist sie etwas Anderes, also nur ein Zustand 
des Stoffes, welchen man nach Belieben hervorrufen und wieder ver¬ 
schwinden machen kann? 
Die ältere, sogenannte materielle Wärmetheorie erklärte 
die Wärme für einen überaus feinen, imponderablen, d. h. gewicht¬ 
losen Stoff, Caloricum oder Wärmestoff, der nur das mit den übrigen 
ponderablen Stoffen gemein habe, dass er, wie diese, ebenso uner- 
schaffbar und unzerstörbar in seiner Quantität als unveränderlich in 
seinen Eigenschaften sein sollte. Diese materielle Wärmetheorie sucht 
die thatsächlichen Wärmephänomene folgendermassen zu erklären : 
Wo Wärmemengen vernichtet zu werden scheinen, da soll das 
Caloricum oder der Wärmestoff nur zwischen die Theilchen der pon¬ 
derablen Materien, so zu sagen, sich verkriechen oder verstecken, wie 
man sich ausdrückte, latent werden, ganz ähnlich wie bei den chemi¬ 
schen Verbindungen die Eigenschaften der Elementarstoffe in der neuen 
Verbindung nur unwahrnehmbar verborgen sind. Umgekehrt in jenen 
Fällen, wo Wärmemengen scheinbar neu erzeugt würden, da sollte das 
»latent« vorhandene Caloricum nur aus seinen Schlupfwinkeln und Ver¬ 
stecken hervorgetrieben und an anderen Orten im Baume angehäuft 
werden, analog wie beim Zerlegen der chemischen Verbindungen die 
Stoffe mit ihren ursprünglichen Eigenschaften wieder wahrnehmbar 
werden.
        

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