Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Principien der mechanischen Naturauffassung. Einleitung zur heutigen Physiologie, ein Cyclus von zehn Vorlesungen: I. Programm der Vorlesungen
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16316/7/
I. Programm der Vorlesungen. 
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Wirkung der ihnen inwohnenden Kräfte in allgemeinen Umrissen 
zu entwickeln, zu denen die exacte Naturwissenschaft auf dem Wege 
der Erfahrung und des folgerichtigen Denkens gelangt ist, und welche 
sie zur sogenannten Atomentheorie oder Atomistik ausgebildet 
hat. Die Atomistik ist die Grundlage der ganzen mechanischen Welt¬ 
anschauung; von ihr muss derjenige Notiz nehmen, der die letztere in 
sich aufnehmen und damit ein tieferes Verständniss für die Vorgänge 
in der Natur und für die ganze Richtung der heutigen Naturforschung 
gewinnen will. 
An die Darstellung der Atomistik wird sich dann die Erörterung 
des Gesetzes von der Unzerstörbarkeit und Unverän¬ 
derlichkeit des Stoffes und des Gesetzes von der Erhaltung 
der Kraft anschliessen, welches letztere die höchste und frucht¬ 
bringendste Generalisation der gesummten Naturwissenschaft ist und 
besagt, dass, wie der Stoff-Vorrath so auch die Quantität der im 
Universum vorhandenen und disponiblen Kraft eine constante und 
unveränderliche Grösse sei, dass somit keine auch noch so geringe 
Quantität von Kraft für das Naturganze neu erschaffen oder vernichtet 
werden könne. 
Die Erklärung und Begründung dieses fast paradox erscheinenden 
Gesetzes wird uns mehrere Stunden beschäftigen; denn es erfordert 
zu seinem Verständniss die Bekanntschaft mit allen wirkungsfähigen 
Naturkräften und der eigentkümlicken Wechselwirkung derselben 
unter einander. Die Art dieser Wechselwirkung hat man das Princip 
der Transformation oder Aequivalenz der Kräfte genannt. 
— Wir werden also die verschiedenen Erscheinungsformen, unter 
welchen sich die Kraft äussert, Schwere, Cohäsion, Affinität, Wärme 
u. a. erfahrungsgemäss der Reihe nach kennen zu lernen haben und 
die Beziehungen aufsuchen müssen, in welchen diese verschiedenen 
Erscheinungsformen zu einander stehen. Dabei wird es sich hcraus- 
stellen, dass bei jedem Zustandekommen irgend einer Veränderung, 
irgend eines Vorganges in der Natur eine gewisse Quantität von Kraft 
aufgewendet wird und in dem Maasse, als sie die Veränderung zu 
Stande bringt, verschwindet und vernichtet zu werden scheint; in 
Wirklichkeit aber von einer Vernichtung einer einmal zur Wirkung 
gekommenen und zur Herbeiführung einer Veränderung verwendeten 
Kraftmenge — sie sei auch noch so klein, — niemals die Rede sein 
kann. Die verbrauchte und verschwundene Kraft bleibt vielmehr in 
unveränderter Quantität erhalten; was sich ändert, was verschwin¬ 
det , ist nur die Erscheinungsform, unter welcher sie sich an einem 
bestimmten Orte im Raume geäussert hat ; sie selbst aber findet sich,
        

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