Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Principien der mechanischen Naturauffassung. Einleitung zur heutigen Physiologie, ein Cyclus von zehn Vorlesungen: I. Programm der Vorlesungen
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16316/6/
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Die Principien der mechanischen Naturauffassung. 
sein werde, sollen Sie sogleich aus der folgenden Mittheilung Uber den 
Inhalt und Umfa ng der beabsichtigten Vorlesungen ersehen. 
Zunächst soll eine eingehende Skizze der Vorgänge des Kr ei s- 
laufes des Stoffes durch die drei Reiche der Natur ent¬ 
worfen werden, aus der wir als sichere Resultate folgende zwei That- 
sachen gewinnen werden: erstens, dass die Pflanzenwelt unter 
dem Einflüsse des Sonnenlichts das einfache unorganische Stoffmaterial 
unserer Erde und Atmosphäre in die complicirten Substanzen der orga¬ 
nischen Natur verwandelt, welche allein befähigt sind, die Formen der 
Elementargebilde des Pflanzen- und Thierleibes anzunehmen, und ohne 
welche die Phänomene des Lebens ^tatsächlich nie zur Erscheinung 
kommen; zweitens, dass die Thier weit, — unfähig, wie gesagt, selbst 
Substanzen organischer Natur aus unorganischen Elementen zu pro- 
duciren, und daher gezwungen, das ihr unentbehrliche organische 
Ernährungsmaterial der Pflanzenwelt zu entnehmen, — diese der 
Pflanzenwelt entnommenen organischen Substanzen durch den ihr 
eigenthümlichen Lebensprocess zerstört und wieder in die früheren ein¬ 
facheren Verbindungen unorganischer Natur zerlegt, welche darauf ins 
Mineralreich zurückkehren, aus dem sie wieder nur durch die innere 
Thätigkeit der Pflanzen dem organischen Leben zurückgeführt werden. 
Gegenüber diesen beiden Thatsachen drängen sieh die folgenden 
grossen Fragen auf : 
1) Woher stammt überhaupt die Triebkraft, welche den Kreislauf 
des Stoffes aus dem Mineralreich ins Pflanzenreich, aus diesem ins 
Thierreich und aus dem Thierreich wieder zurück ins Mineralreich und 
so fort und fort ohne Unterbrechung im Gange erhält : und — 
2) in welchem Zusammenhänge steht der Stoffwechsel in den 
pflanzlichen und thierischen Organismen mit den Lebensäusserungen 
derselben? oder was dasselbe heisst: Welches sind die Quellen, 
aus denen die Lebenskräfte fliessen ? 
Die Beantwortung dieser Fragen involvirt nichts Geringeres als 
eine Erklärung der organischen Vorgänge und Kraftäusserungen, d. h. 
des Lebens selbst. Da man aber bei dem Versuch einer Erklärung der 
Lebensäusserungen fortwährend den Zusammenhang der verschieden¬ 
artigsten physikalischen Vorgänge im Auge behalten muss, die den¬ 
selben zu Grunde liegen, und da dieser Zusammenhang nur an der 
Hand einer anschaulichen Vorstellung von dem inneren Wesen oder 
der Constitution der Materie mit Klarheit erfasst werden kann, so er¬ 
wächst mir die Aufgabe, Ihnen eben jene Vorstellungen über das 
Wesen und die Constitution der Materie, über die räum¬ 
liche Verth eil ung der Stoffelemente und über die Art und
        

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