Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Principien der mechanischen Naturauffassung. Einleitung zur heutigen Physiologie, ein Cyclus von zehn Vorlesungen: I. Programm der Vorlesungen
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16316/5/
I. Programm der Vorlesungen. 
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nachweisen. die früher ganz vereinzelt dazustehen schienen, die eigent¬ 
lichen wissenschaftlichen Grundlagen der heutigen Physiologie, und es 
geht nicht mehr an, das Gebiet derselben betreten zu wollen, ohne dem 
Fortschritt der Naturwissenschaft im Ganzen Rechnung zu tragen, wel¬ 
chen wir, um die Worte Helmholtz’ zu gebrauchen, »nach dem Maasse 
zu beurtheilcn haben, nach welchem die Anerkennung und Kenntniss 
eines alle Naturerscheinungen umfassenden u r s ä c h 1 i c h e n Z u - 
s a m m e n h a n g e s fortgeschritten ist.« 
Deshalb hielt ich es für gerechtfertigt, ja nothwendig. als Einlei¬ 
tung in die heutige Physiologie die Principien der mechani¬ 
schen Weltanschauung zum Gegenstände des Cyclus von Vor¬ 
lesungen zu machen, dessen Programm ich eben heute besprechen 
möchte. Es umfasst dieses von mir zu behandelnde Thema die grossar¬ 
tigsten Fortschritte, welche die Naturwissenschaft vielleicht jemals ge¬ 
macht hat, und darf daher als eines der interessantesten, der Aufmerk¬ 
samkeit aller Gebildeten würdigsten bezeichnet werden. 
»Speciell möchte ich noch hervorheben, dass dasjenige, welches ich 
in diesem Cyclus von Vorlesungen zu bieten und zu behandeln gedenke, 
auch für die medicinischen Fachstudenten, trotzdem ihnen die streng¬ 
wissenschaftlichen Vorträge zugänglich sind oder sein werden. oder 
vielleicht bereits zugänglich waren, ein besonderes Interesse haben 
dürfte. Die Vertrautheit mit der mechanischen Weltanschauung, die 
Kenntniss der Gesetze eines alle Naturerscheinungen umfassenden 
Zusammenhanges, wird nämlich bei den Hörern der Fachvorträge über 
Physiologie vorausgesetzt, eine Voraussetzung, die wohl selten zutrifft, 
da die Lehrer der Physik und der Chemie, zu deren Füssen die Jünger 
Aeskulaps gesessen haben müssen oder doch gesessen haben sollten, 
bevor sie das Gebiet der Physiologie betreten. nicht in der Lage sind, 
die Darstellung der Wechselwirkung der Naturkräfte bis auf den Zu¬ 
sammenhang der Erscheinungen der unorganischen Welt mit denen der 
organischen Welt auszudehnen. 
So wünsche und bezwecke ich denn mit meinem Cyclus von Vor¬ 
lesungen einerseits allen Jenen, welche im Interesse der allgemeinen 
Bildung an denselben Tlieil nehmen wollen, in allgemein fasslicher 
Weise eine Vorstellung von der mechanischen Naturanschauung über¬ 
haupt und von den neuen Errungenschaften, welche wir derselben ver¬ 
danken , zu geben, andererseits zugleich durch die Behandlung dieses 
Theiles der Naturforschung, welcher als eine Einleitung in die heutige 
Physiologie betrachtet werden kann. eine Lücke im medicinischen 
Unterrichtsplan auszufüllen. 
Auf welche Weise ich diesen doppelten Zweck zu erreichen bemüht
        

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