Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bermerkungen über Naturwissenschaft und Spiritismus, Geistermanifestationen u. dgl.: Vorgetragen den 24. und 25 Januar 1873, im Amphitheater des physiologischen Privat-Laboratoriums an der Universität Leipzig
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16315/14/
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Bemerkungen über Naturwissenschaft 
zu dein von mir gerügten Verfahren der Herren »Spiritisten«, sehe ich 
mich veranlasst, den fraglichen Brief im Wortlaut hier mitzutheilen. 
»Upper Tulse Hill, S. W., den 9. Juni 1ST). 
Mein hochverehrter Mr. Crookes ! 
Ihr mir zugegangener Correcturbogen scheint mir eine richtige 
Darstellung von dem zu enthalten, was in meiner Gegenwart in Ihrem 
Hause stattfand. Meine Stellung am Tische gestattete mir zwar nicht, 
Zeuge des Hinwegziehens der Hand Mr. Home’s von der Harmonika 
zu sein, aber es wurde dies zur Zeit sowohl von Ihnen seihst, als auch 
von der an der anderen Seite Mr. Home’s sitzenden Person als statt¬ 
gefunden behauptet. 
Die Experimente scheinen mir die Wichtigkeit einer weiteren Er¬ 
forschung derselben nahe zu legen; ich wünschte mich aber so ver¬ 
standen , dass ich damit keinerlei Meinung in Betreff der Ursache der 
stattgehabten Erscheinungen ausspreche. 
Ihr treu ergebener 
William Huggins.« 
Doch, wie gesagt, ob einer oder der andere der Vertreter der 
Wissenschaft diese Dinge beachten mag oder nicht, muss seinen per¬ 
sönlichen Neigungen überlassen bleiben und hängt zum Tlieil auch von 
zufälligen Umständen ab. Für die strenge Wissenschaft selbst aber 
existiren jene Dinge einfach — gar nicht. Die Wissenschaft anerkennt 
weder, noch verneint sie in solchen Fällen —sieignorirt; —und 
dazu hat sie nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, weil Zeit 
und Arbeit zu knapp und kostbar sind, um an Erscheinungen ver¬ 
schwendet zu werden, welche vorläufig kein anderes und höheres 
Interesse darbieten, als dass ihre Ursachen nicht augenfällig sind —■ 
gerade so, wie das bei guten und frappanten Taschenspielerkunst¬ 
stückchen der Fall ist. Bei letzteren setzt heutzutage doch kein ver¬ 
nünftiger , besonnener Mensch irgend welche aussernatürlichen Kräfte 
voraus — sonst könnten wir ja gleich wieder munter anfangen, Hexen 
und Zauberer zu verbrennen ! 
Bisher aber berechtigt und zwingt uns auch noch gar nichts , bei 
jenen sogenannten »Geistermanifestationen« und sonstigen zweifel¬ 
haften Erscheinungen dieser Art die Wirkung aussernatürlicher oder 
»neuer Naturkräfte« u. dgl. vorauszusetzen, und deshalb ist vorläufig 
der ganze Spuk nicht der mindesten ernsten Beachtung werth — 
ausser vielleicht vom psychologischen, oder vielmehr vom psychiatri¬ 
schen Standpunkt !
        

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