Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Ohr und das Hören: Vortrag, gehalten den 12. Februar 1868
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16309/5/
II. Das Ohr und das Hören. 
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Nachbarn zunickgestossen wird, die es vorhin mittelbar oder unmittel¬ 
bar vorwärtsgestossen und gegeneinander getrieben hatte. 
Aus demselben Grunde weicht mit dem Rückgang des ersten 
Lichtchens auch das zweite wieder zurück — dann das dritte, dann 
das vierte, fünfte u. s. w. 
Sie sehen, wie auf diese Weise sä mint liehe Lichtchen der 
Reihe nach in genau dieselben hin- und hergehenden Bewegungen 
oder Schwingungen versetzt werden, welche der schwarze Blechstreifen 
ausführt. 
Indem nun aber jedes Lichtchen seine hin- und hergehende Be¬ 
wegung etivas später anfängt, ausführt und beendet, als das unmittel¬ 
bar vorhergehende, so drängen sich die Lichtchen bei ihrem Hingang 
dichter an einander, während sie bei ihrem Rückgang mehr ausein¬ 
ander Aveichen. 
Es folgen, a vie Sie deutlich sehen können, abwechselnd Gruppen 
dicht zusammengedrängter und weit auseinanderstehender Lichtchen 
aufeinander — und es entsteht der Schein, Avie Avenu diese Lichtchen¬ 
gruppen vom Blcclistreifen aus fortströmten, Avährend doch die Licht¬ 
chen selbst in Wirklichkeit nicht fortströmen, sondern an ihrem Orte 
bleiben, innerhalb welches sie fortdauernd nur hin- und herschwingen. 
Was Avirklick fortschreitet, ist blos die specielle Form der pen¬ 
delartigen BeAvegung, welche Theilchen um Thcilchen ergreift.1) 
Ganz eben so geht es nun in der Luft zu, Avenn sie 
ein schallender Körper in BeAvegung bringt. 
1 Um den Leser in den Stand zu setzen, sich den durch Pierre's Wellen- 
masehinc demonstrirten BcAvcgungsvorgang mit leichter Mühe seihst vorführen zu 
können, habe ich Fig. 11 auf der Tafel 2 entAvorfen. Der Leser lasse sich aus 
dünnen Brettchen ein Lineal von der Grösse des am Kopfe der Figur mit punk- 
tirten Linien angegebenen Vierecks (a, a1, a2, a3) unfertigen. In der Mitte 
dieses Lineals muss eine Spalte von den, ebenfalls durch punktirte Linien 
a, a't a1, «3; angegebenen Dimensionen angebracht Averden, deren lange Rän¬ 
der zuzuschärfen sind, wie der Durchschnitt des Spaltlineals bei U deutlich 
zeigt. Dieses Lineal mit dem Spalt lege der Leser genau auf das punktirte Vier¬ 
eck [a, a1, a2, o3) auf; — in der Spalte wird dann eine Reihe von gleichweit von 
einander abstehenden schwarzen Strichen erscheinen. Sie entsprechen den Licht¬ 
chen , welche ich für die Demonstration vor dem grossen Publikum des Rosen¬ 
saales an Pierre’s Wellenmaschine angebracht hatte, und versinnlichen, Avie diese, 
die kleinsten materiellen Theilchen der ruhigen Luft. Der scliAvarze Blechstreif 
an der Wellenmaschine ist hier durch den mit S bezeichneten dicken scliAvarzen 
Strich am Anfang der Reihe (links) repräsentirt. 
Nun fahre der Leser mit dem Spaltlineal, indem er dasselbe stets genau 
parallel zur Anfangss tel lung halten muss, mit gleichmässiger Ge- 
schwindigkeit über die ganze Steindrucktafel senkrecht nach unten, und beachte, 
Czermak, Schriften. II. 3
        

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