Bauhaus-Universität Weimar

Biographische Skizze. 
XXIX 
geschwenkt, so dass er schon damals mit seinem Flämmchen ge¬ 
neckt wurde, .fetzt trat ihm die Jugendfreundin wieder entgegen. 
Der Herzensbund war rasch geschlossen. Im Juni 1853 führte 
Czermak das vielumworbene Mädchen vor den Altar. 
Die llochzeitreise führte das junge Paar nach Frankreich, zum 
Besuche von Verwandten der Frau, mit welchen seitdem Czermak 
und später sein Bruder Jaroslav, der Maler, die freundschaftlichsten 
Beziehungen unterhielten. An eine stetige, ausgedehnte Arbeit war 
natürlich in diesen Monaten nicht zu denken: doch zeigen seine 
»Briefe aus Bordeaux« und die 1854 veröffentlichte »Untersuchung 
der Gewebe eines Mumienarmes aus dem Caveau de St. Michel in 
Bordeaux«, wie unablässig und unbedingt Czermak im Dienste seiner 
Wissenschaft stand. Nach der Vaterstadt zurückgekekrt, wollte sich 
Czermak, der vier Jahre Purkynè als Assistent zur Seite gestan¬ 
den hatte, als Privatdocent für Physiologie und mikroskopische Ana¬ 
tomie habilitiren. Doch währte sein Aufenthalt in Prag nicht mehr 
lange. Der Unterrichtsminister, Graf Leo Thun, von massgebender 
Seite auf den jungen, rastlos thätigen Forscher aufmerksam gemacht, 
suchte Czermak nach Kräften zu fördern. Ihn für die Prager Uni¬ 
versität dauernd zu gewinnen, hinderten äussere Umstände, insbe¬ 
sondere die Rücksicht auf Purkynè. der mit zunehmendem Alter 
immer eifersüchtiger auf seine Stellung wurde und durch Czermak’s 
Berufung neben ihm vielleicht verletzt worden wäre. An einer an¬ 
dern österreichischen Universität war aber keine Professur der Phy¬ 
siologie erledigt. So hot ihm denn der Minister Ostern 1855) eine 
Professur der Zoologie an der Grazer Universität an. Obschon 
Czermak in seiner Eingabe an die Regierung), mit Recht von sicli 
behaupten durfte, er habe sich mit allen Anforderungen bekannt 
gemacht, welche man an einen wissenschaftlichen Zoologen zu stellen 
berechtigt ist, so nahm er doch die Stelle nur unter der Bedingung 
an, dass ihm die erste erledigte physiologische Kanzel zugesichert 
werde. 
Das Beharren bei der physiologischen Wissenschaft kündigte der 
neue Professor der Zoologie in seiner Antrittsrede ziemlich unver- 
hüllt an : »Mich führte die anatomisch-physiologische Forschung in 
das Gebiet der Zoologie. Es war mir daher viel wesentlicher, zu er¬ 
fahren, w a s ein Säugethier, ein Insekt, ein Wurm, ein Polyp sei, wie 
die Lebensverrichtungen der Thiere zu Stande kommen, auf welche
        

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