Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Nachweis echter hypnotischer Erscheinungen bei Thieren
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16211/11/
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Nachweis echter hypnotischer Erscheinungen bei Thleren. 
vorgehaltenen Finger der anderen Hand, ganz frei, minutenlang starr 
und regungslos, n ie gebannt, sitzen oder liegen. 
Ich konnte die entfernte Hand dem Thiere wieder nähern, es mit 
derselben ergreifen. aus der Bauch- oder Seitenlage auf den Bücken 
wenden : — das Thier liess willenlos alles mit sich geschehen, ohne zu 
widerstreben oder einen Fluchtversuch zu machen, wenn ich nur da¬ 
rauf achtete, ihm den Finger fortwährend knapp vor die Glabella zu 
halten und seinem Blicke darzubieten. 
Ich habe diesen höchst überraschenden Versuch wiederholt und 
an einer grösseren Reihe von verschiedenen Taubenindividuen ange¬ 
stellt. Er gelang stets, in mehr oder weniger eclatanter Weise, so¬ 
bald ich es nur dazu gebracht hatte . den Blick und die Aufmerksam¬ 
keit der Taube auf den vorgehaltenen Finger zu ziehen und zu fixiren- 
Es versteht sich aber von selbst, dass verschiedene Taubenindividuen, 
ja ein und dasselbe Individuum zu verschiedenen Zeiten und unter 
verschiedenen Umständen einen verschiedenen Grad von Geneigtheit 
zeigt, sich dem Banne durch den vorgehaltenen Finger hinzugeben: ja 
sehr oft sieht man deutlich, wie das Thier, durch augenscheinlich 
ängstliches Abwenden des Kopfes dem Anblick des Fingers sich hart¬ 
näckig zu entziehen sucht, und es dauert dann oft lange und nicht 
ohne dass man die Taube in der Rückenlage am Rumpf und Kopf 
einige Zeit festgehalten hat, dass man endlich zum Ziele kommt. 
Es ist damit offenbar. wie Schoi'Exhaüek vom Einschlafen sagt : 
»das Gehirn muss anbeisscn !« 
Wie mit Sicherheit erwartet werden musste, haben mich zahlreiche 
Controlversuche gelehrt, dass eine Glaskugel. ein Korkstöpsel, eine 
kleine Wachskerze oder sonst ein gleiehgiltiger unbelebter Gegenstand, 
der. auf einem passenden Gestelle befestigt, oder der Taube auf die 
Glabella festgeklebt, dem Blicke der Taube dargeboten wird, genau 
dieselben Zauberdienste thut. wie der Finger der Menschenhand, nur 
muss man natürlich dafür sorgen, dass sich der Blick und die Auf¬ 
merksamkeit der Taube durch längere Zeit auf diesen Gegenstand 
fixirt — dass ihr Gehirn so zu sagen »anbeisst«. 
Man wird auch unter diesen Umständen häufig finden, dass die 
Taube dem am Gestelle befestigten Fixationsobject sorgfältig und 
hartnäckig auszuweichen sucht, und dann ist es nicht so bequem, dem 
fliehenden Kopfe das Gestell nachzuschieben, als mit dem vorgehal¬ 
tenen Finger zu folgen. Ist das Fixationsobject auf die Glabella der 
Taube festgeklebt. so hilft ihr das Hin- und Herwenden. Heben und 
Senken des Kopfes nichts. und man sieht dem sonderbaren Gebahren
        

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