Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Spriritus asper und lenis, und über die Flüsterstimme, nebst Bemerkungen zur phonetischen Transscription der Kehlkopflaute
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16202/3/
752 Ueber tien Spiritus asper und lenis, und über die Fliisterstiinme etc. 
Stimmritze) — liegt eben der wesentliche Unterschied zwischen den 
eigentlichen /(-Lauten, welche Intensität und Färbung dieselben auch 
besitzen mögen, und dem einfachen Hauch, bei welchem die Luft ganz 
frei durch die unverengte Stimmritze hervorströmt. 
3. Der Kehlkopfspiegel zeigt nämlich, dass allemal in demselben 
Augenblicke, wo wir einen /(-Laut hervorbringen wollen, die während 
der Bildung des einfachen Hauches weit auseinandergeschlagenen 
Arytänoidknorpel sich in der sie einschliessenden Schleimhautfalte er¬ 
heben, sich mit ihren inneren Flächen und mit den Spitzen der Proc. 
vocales der Medianlinie zu nähern beginnen, so dass auch die Stimm¬ 
bänder stärker vorspringend gemacht und gegeneinander gezogen 
werden ; die Stimmritze btisst ihre weite zugespitzt-eiförmige Gestalt 
ein und verwandelt sich in eine engere oder weitere spaltförmige 
Oeffnung. 
Was die unmittelbare laryngoskopische Anschauung mit zweifel¬ 
loser Gewissheit lehrt, wird durch die subjective Empfindung und 
durch die Auscultation des Kehlkopfes bestätigt. 
Ist man aufmerksam auf sich selbst, wenn man vom völlig ge¬ 
räuschlosen Athmen ausgehend, den einfachen Hauch hervorbringt, 
so wird man finden, dass dazu wesentlich nichts anderes erforderlich 
ist als eine Verstärkung des Exspirationsdruckes; will man hingegen 
ein deutliches h aussprechen, so wird man wahrnehmen, dass man 
nicht nur den Exspirationsdruck verstärken, sondern dass man auch 
zugleich eine Veränderung im Kehlkopf vornehmen muss ; man fühlt 
dies ganz deutlich an einer Art Druck oder Spannung, welche unter 
diesen Umständen in der Kehle entsteht. 
Das Auscultiren des Kehlkopfes kann man am bequemsten ver¬ 
mittelst eines etwa 18" langen Kautschukschlauches an sich selbst 
oder an Anderen vornehmen, indem man das eine Ende desselben sich 
in’s Ohr steckt, das andere mit einen Glastricliterchen versehene Ende 
auf den zu auscultirenden Kehlkopf aufsetzt. Beim völlig geräusch¬ 
losen Athmen hört man natürlich gar nichts, so wie aber der einfache 
Hauch oder ein h hervorgebracht wird, hört man sofort ein Geräusch. 
Dasselbe ist jedoch in beiden Fällen deutlich verschieden: im 
ersten Falle erscheint es mehr unbestimmt, so zu sagen diffus : im 
zweiten Falle hingegen entschieden localisirt — in der im Kehlkopf 
gebildeten »Enge«. 
So wie sich nämlich die Stimmritze zu verengern beginnt, so fin¬ 
det die durchströmende Luft an den einander genäherten Bändern 
derselben einen Widerstand und erzeugt daselbst ein besonde¬ 
res Reibungsgeräusch, welches zum einfachen Hauch, der bei
        

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