Bauhaus-Universität Weimar

Zur Orientirung im Gesammtgebiete der Zoologie. 
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fahrung übereinstimme, lehrt uns die Beobachtung. — Diese zeigt 
nämlich. dass alle Wirbelthiere in den ersten Stadien ihrer embryo¬ 
nalen Entwickelung einander völlig gleich sind : denn die erste Spur 
des werdenden Embryo bestellt bei ihnen allen in der sogenannten 
Chorda dorsalis, der Grundlage der künftigen Wirbelsäule. Dieser als 
zuerst auftretende Charakter verschafft uns also auch den allgemeinsten 
Begriff des Thieres, den des Wirbelthieres. Nun erst haben wir ein 
Hecht die Vertebraten als solche zu charakterisiren, indem uns die 
Entwickelungsgeschichte einen Ausdruck für den ihnen gemeinschaft¬ 
lichen Grundtypus an die Hand gab und dadurch zugleich jede andere 
Charakterisirung als nicht mit der Natur übereinstimmend und darum 
künstlich und unwissenschaftlich ausschloss. « 
»Nach der Anlage der Wirbelsäule treten allmählich die Charak¬ 
tere auf, welche die grossem und dann die , welche die kleinern Ab¬ 
theilungen der Wirbelthiere bezeichnen.« — 
Gegen diese sonst sehr ansprechende Auseinandersetzung ist aber 
zu bemerken, dass sich das v. BAEn'sche Gesetz, mit welchem 
Hensel’s Ansicht steht und fällt, abgesehen von der Gruppe der wir¬ 
bellosen Thiere, deren Entwiekelungsgeschichte durch das Auftreten 
der Metamorphose und des Generationswechsels vorläufig allzu ent¬ 
wickelt erscheint, um darauf näher einzugehen, nicht einmal für den 
Kreis der Wirbelthiere als eine durchgreifende, allgemein gültige, mit 
der Erfahrung übereinstimmende Norm. durch Beobachtung nach- 
weisen lässt. 
Ja, die neuesten Thatsaehen, welche Bischoff’s , des Embryo¬ 
logen, Untersuchungen über die Entwickelungsgeschichte von Curia 
cobuya 1 zu Tage gefördert haben, werfen die von Hexsel vertretene 
Anschauungsweise geradezu über den Haufen. 
Obschon die gleich zu erwähnenden Beobachtungen bisher noch 
ganz vereinzelt und als unerhörte Ausnahmen, welchen nur das Ge¬ 
wicht einer Autorität wie Bischoff’s eine Geltung sichern kann, da¬ 
stehn : so wird man — wenn auch mit Bedauern — nichts destoweniger 
zugeben müssen, dass das entwickelungsgeschichtliche Princip in der 
vorliegenden Fassung widerlegt und zu Grunde gerichtet sei. 
Hier heisst es nun mit Hexle »die Tugend der Entsagung im 
intelleetuellen Gebiete « üben, denn gegenüber von Thatsaehen lässt 
sich auch eine Lieblingsidee nicht aufrecht erhalten ! 
Die fraglichen destructiven Resultate der BiscHOFF’schen Unter¬ 
suchungen sind aber folgende: a. a. A. S. 48 : 
1 Entwicklungsgeschichte des Meerschweinchens von Th. L. Bischoff. Gies¬ 
sen 1852. Iticker’sche Buchhandlung.
        

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