Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16177/6/
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. 
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für ungleich zeitige Erregungen die Möglichkeit differenter R a u m- 
emptindung birgt. 
Aus dieser Tluitsache ergibt sieh, nach den vorausgeschickten 
Begriffsbestimmungen, zunächst der Schluss, dass die wahren Empfin- 
dungskreise einen kleineren Durchmesser haben müssen, als jene 
Bezirke, innerhalb welcher zwei gleichzeitige Eindrücke nicht 
mehr räumlich unterschieden werden, und dann die doppelte Auf¬ 
gabe : 1. den Grund der verschiedenen Feinheit des Wahrnehmungs¬ 
vermögens für Kaumbeziehungen gleichzeitiger und ungleichzeitiger 
Erregungen zu ermitteln, und 2. eine Methode aufzufinden, welche die 
Durchmesser der Empfindungskreise, wo möglich, direct und genau 
misst. 
Ad 1. Vor Allem haben wir uns zu erinnern, dass die Erregung 
der zu einem Empfindungskreise gehörigen sensiblen Punkte die 
Möglichkeit aller und jeder differenten K a u m empfindung ausschliesst, 
dass somit Empfindungen nicht eher irgend welche räumliche Bezieh¬ 
ungen zu einander erhalten können, als bis nicht der Abstand der er¬ 
regten Punkte wenigstens etwas grösser ist, als der Durchmesser 
eines Empfindungskreises. 
Um einfach die Lage zweier auf einander folgender, zeitlich 
auseinander gehaltener Eindrücke zu bcurtheilen, wird es daher — 
für den ersten Moment der späteren Berührung — im Allgemeinen ge¬ 
nügen, dass der Abstand der erregten sensiblen Punkte den Durch¬ 
messer eines Empfindungskreises übersteigt Taf. 19, Fig. 4«, // , wäh¬ 
rend zwei gleichzeitige Erregungen bei demselbenAbst a n d e 
in eine vielleicht etwas längliche, aber jedenfalls) räumlich untrenn¬ 
bare Empfindung unaufhaltsam zusammenfüessen müssen; da eine 
deutliche, totale, räumliche Unterscheidung und Tren¬ 
nung des gleichen oder verschiedenen qualitativen Inhalts gleich¬ 
zeitig- erregter Empfindungen offenbar nur möglich ist, wenn wir 
eine Vorstellung von dem dieselben trennenden Zwischenraum be¬ 
kommen. 
Diese Vorstellung beginnt, nach meiner Lehre von der Inter¬ 
ferenz der Empfindungskreise, zu entstehen, nachdem einmal der Ab¬ 
stand der gleichzeitig erregteiffsensiblen Punkte so gross geworden ist, 
dass sich keine der betreffenden Empfindungskreise mehr interfe- 
r i r e n 1 Fig. 4 a, c), kann aber erst dann vollkommen deutlich wer¬ 
den, wenn der fragliche Zwischenraum durch ein ganzes Kaumele¬ 
ment höherer Ordnung repräsentirt wird. d. h. wenn zwischen die 
1 Yergl. oben S. 373 Anmerkung und Thesis Xr. S.
        

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