Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16177/5/
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Weitere Beitrüge zur Physiologie des Tastsinnes. 
Zum Beleg- dafür lassen sich mancherlei Erfahrungen anführen. 
Bei vorurtheilsfreier Erwägung der mitgetheilten zehn Thesen 
wird man, wie ich glaube, bald zu der festen Ueberzcugung gelangen, 
dass meine die Ansichten Rotze’s und Weber's versöhnende Theorie 
des Raumsinnes der Haut auf einer sicheren, unserem gegenwärti¬ 
gen geringen Wissen allein vollkommen entsprechenden und jede 
voreilige oder nicht hinreichend begründete Annahme streng ausschlies- 
senden Basis ruhe, und sowohl Jenen, welche die Wahrnehmung der 
räumlichen Beziehungen der äusseren Objecte auf dem Wege der 
»Auffassung«, als Jenen, welche dieselbe nur auf dem Wege der 
»Wiedererzeugung der Räumlichkeit« erklären zu können 
meinen, wesentlich genügen dürfte. Auch kenne ich keine That- 
saelie. welche sich nicht auf die ungezwungenste Weise mit meiner 
Theorie in Zusammenhang bringen und deuten liesse. 
Wollte man aber einwerfen, dass meine Theorie Nichts e i g e n t - 
lieh erkläre, indem sie gewissermaassen nur eine Umschreibung 
der Thatsachen sei, so könnte ich darauf hinweisen, dass Webeu’s, 
Rotze's und Meissners Hypothesen durchaus Ni dits besser er¬ 
klären, dagegen aber zum Tlieil unbegründete Annahmen herbei¬ 
ziehen, zum Tlieil mit gewissen Thatsachen nicht in Einklang zu 
bringen sind. 
Der von mir eingcschlagene Weg erscheint mir als der v o r 1 ä u f i g 
einzig mögliche und der besonnenen empirischen Forschung allein 
entsprechende. 
l’ebrigens halte ich meine Darstellung durchaus nicht für abge¬ 
schlossen, und es ist mir überhaupt nur um die Sache, nicht um das 
Recht haben zu thun, weshalb mir jeder fördernde Widerspruch, 
jede freundliche Zurechtweisung willkommen sein wird. 
Die Fortbildung der Theorie und die Erforschung der Thatsachen 
in anderen Richtungen auf eine spätere Zeit verschiebend, beschränke 
ich mich hier nur darauf, Einiges auszuführen und mitzutheilen, was 
sieh hauptsächlich auf die Messung der Empfindungskreise, auf die 
Würdigung der von Rotze zusammengestellten Einwürfe gegen die 
Existenz der festen Empfindungskreise überhaupt, und auf die expe¬ 
rimentelle Begründung dieser Annahme gegenüber der Rotze-Meiss- 
NERsehen Hypothese bezieht. 
§ 8. Ueber Messung der Empfindungskreise. 
Es ist Rotze, welcher zuerst darauf aufmerksam gemacht hat, 
dass der nach Weber s alter Methode als Einheit empfundene Raum,
        

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