Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16177/4/
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. 
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net werden, wenn man jeden sensiblen Punkt mit seinem Localzeichen 
als ein einfaches Raumelement betrachtet. Ihr Durchmesser bedingt 
wesentlich die Schärfe des räumlichen Wahrnehmungsvermögens. 
In gewisser Beziehung hängt jedoch die Feinheit desselben auch 
von den so zu sagen mechanischen Verhältnissen der sensiblen 
Punkte an der Peripherie ab s. unten über die »Irradiationskreise« 
§ S ad 2 . 
7. Die Anordnung der Empfindungskreise, welche, wie gesagt, 
je nach der Hautregion eine bestimmte Anzahl von mehr oder weniger 
gedrängt stehenden sensiblen Punkten umfassen, muss man sich er¬ 
füll rungsgemäss unter dem Bilde von unendlich vielen Kreisen 
oder Ellipsen1) denken, welche sich so interferiren, dass ihre 
Mittelpunkte die ganze Hautoberfiächc stetig erfüllen2 . Ich übersehe 
hierbei nicht, dass die sensiblen Punkte — soweit unsere histologischen 
Daten reichen — durch unempfindliches Gewebe getrennt sind. 
8. Die durch die Empfindungskreise repräsentir- 
teu Raumeinheiten höherer Ordnung fallen insoweit 
zusammen, als sicli die Empfindungskreise interfe¬ 
riren. 
Die Elemente unseres subjectiven Raumbildes correspondiren eben 
genau — auf eine vorläufig unerklärbare Weise — mit den fixen, 
geometrischen Verhältnissen der sensiblen Punkte an der Peripherie. 
1). Auf der Mosaik der sensiblen Hautpunkte und 
der Empfind ungs kr eise können sich die Gestalten, 
Entfernungen und Bewegungen der wahrzunehmenden 
Tastobjecte gleichsam ab bi Iden: und die Seele wird ver¬ 
möge dieser bestehenden Einrichtung in den Stand gesetzt, die 
r ä u m 1 i c h e n B e z i e h u n g e n der die Haut treffenden Reize aus ein¬ 
ander zu halten und aiizuschaucn. 
lo. Concentration der Aufmerksamkeit undUebung 
des Tastorgans endlich können das Wahrnehmungs¬ 
vermögen für die Unterschiede der den sensiblen 
Punkten eigenthümlichen Localzeichen ansehnlich 
schärfen. Auch von der (durch Karcotica u. s. w.) variablen 
Disposition der Centralorgane ist die Feinheit der Abstufung des Sy¬ 
stems der Localzeichen und somit die Grösse der Durchmesser der 
Empfindungskreise abhängig. 
1 Vielleicht auch unregelmässig begrenzten Flächen ? 
- Jeder sensible Punkt gehört daher vielen Einpfindungskreisen an, nimmt 
aber in jedem derselben eine andere relative Lage zum Mittelpunkte ein.
        

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