Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16177/3/
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Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. 
Denn die grössere Zahl der sensiblen Punkte an sieh bedingt 
offenbar nicht noth wendig auch einen grösseren Unterschied zwi¬ 
schen den Localzeichen der einzelnen sensiblen Punkte et vice versa. 
Ja nicht einmal die Annahme erscheint hinreichend gerecht¬ 
fertigt. dass der Unterschied der Localzeichen unmittelbar benach¬ 
barter Punkte überall derselbe sei, obschon dann allerdings die 
Feinheit der Abstufung der Localzeichen mit der relativen Anzahl der 
sensiblen Punkte in directe Beziehung gebracht wäre. 
Damit soll jedoch die fragliche Beziehung, zu deren genaueren 
Constatirung zunächst noch directe Zählungen der sensiblen Elemente 
in den verschiedenen Hautregionen erforderlich wären, eben so wenig 
geleugnet, als angenommen werden — wenn sie auch im Allge¬ 
meinen schon nach den bereits vorliegenden Erfahrungen in gewissen 
Kegionen zu existiren scheint. 
4. Je weiter zwei sensible Punkte einer Hautregion 
aus einander liegen, desto differenter müssen auch die 
ihnen eigenthümliehen Localzeichen sein. —wobei wir, 
wie gesagt, die Frage offen lassen, ob dies nur dann gilt, wenn die 
sensiblen Punkte mit verschiedenen Stammfasern Zusammenhängen 
oder auch dann, wenn sie derselben .Stammfaser angehören. 
5. Bei der Einwirkung jedes Druckes, jedes Tast¬ 
reizes w i r d g e w ü h n 1 i c h ein Complex von sensible n 
Punkten erregt Meissner . 
Allein trotz der Erregung mehrerer sensibler Punkte so zu sagen 
eines Zerstreuungskreises durch ein einfaches und punktförmig 
beschränktes Tastobject entsteht doch erfahrungsgemäss auf keiner 
Hautstelle eine vielfache Empfindung, —ja selbst mehrere zeit¬ 
lich und räumlich getrennte Tastreize fliesseu innerhalb bestimmter und 
für die verschiedenen Hautregionen verschiedener Grenzen zu einer 
räumlich einheitlichen, räumlich untrennbaren Wahrnehmung 
zusammen. 
(3. Es existiren daher in der Haut Bezirke von be¬ 
stimmter Grösse und Gestalt, welche eine Anzahl I. 2, 
3, 4,____x) von sensiblen, mehr oder weniger gedrängt 
stehenden P u u k t en umfassen, d e r e n L o c a 1 z e i c h e n sich 
nur un merklich von einander unterscheiden, und in- 
u e r h a 1 b welcher somit eine W a h r n ehmuug je d w e d e r 
r ä u m 1 ic h e n B e zie h un gen der Eind r ü ck e nic h t m e h r 
möglich ist. 
Diese Bezirke nannte ich » E m p f i n d u n g s k r e i s e «. Sie müs¬ 
sen als Raumeinheiten oder Ranmelemente höhere r Ordnung bezeich-
        

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