Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16177/2/
Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. 
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die Existenz der Nervenplcxus in der Froschinuit verleitet wurde. Ja 
selbst die Negation der berührten Weber’scIicu Annahme, welche 
ich noch in meinen letzten Mittheilungen festhalten zu müssen glaubte, 
lasse ich hiermit als nicht hinreichend begründet und als unwesentlich 
für meine Theorie fallen1 . 
2. Jeder sensible Punkt, welcher in Erregung ver¬ 
setzt wird, theilt derselben eine eigen th tim liehe Fär¬ 
bung, ein »LocalZeichen« mit, welches ein bestimmtes 
Glied eines stetig abgestuften Systems von Local¬ 
zeichen ist. 
Hierbei müssen wir cs mm wieder völlig unentschieden lassen, 
worin diese Localzeichen eigentlich bestehen vgl. Lotze, Med. Psy¬ 
chologie, Cap. -1. S. 325 und halten nur fest, dass jeder sensible Punkt 
mit seinem Localzeichen ein einfaches Element unseres inneren 
Raumbildes repräsentirt. 
Es wäre freilich auch noch denkbar, dass selbst ein einzelner 
sensibler Punkt —als ob er gleichsam aus mehreren zusammen¬ 
geschmolzen wäre —je nach der Richtung etwa, in welcher der Tast¬ 
reiz auf ihn einwirkt, verschiedene Localzeichen vermitteln und 
demgemäss auch mehrere einfache Raumelemente repräsentireu könnte, 
oder dass im Gegenthcile zur Herstellung eines Localzeichens die 
Erregung mehrerer Punkte nothwendig sei. Dies bleibe jedoch bei 
unserer gegenwärtigen l’nkenntniss der Nervenprocesse völlig dahin¬ 
gestellt — so wie auch die Frage, ob die zu einer Stammfaser 
gehörigen sensiblen Punkte ihrer Erregung nur absolut gleiche oder 
verschiedene Localzeichen mitzutheilen im Stande sind-? 
3. Die Feinheit der Abstufung des Systems der 
Localzeichen scheint mit der relativen Anzahl der seu- 
si b 1 en Punk t e un d N e r v e n f ib r i 11 e n i n d en v e r s ch i e de n e n 
Regionen der Haut correspondu-end zu fallen und zu 
steigen: doch können wir jene mit dieser vorläufig in keine 
andere Beziehung bringen, als dass eben Beide die Feinheit der 
Abstufung der Localzeichen, wie die relative Anzahl der sensiblen 
Punkte wesentlich durch die nun einmal bestehenden, aber noch 
nicht näher erkennbaren und zu bezeichnenden, correspondirenden 
Verhältnisse des centralen und des peripherischen Nervensystems 
begründet sind. 
i Durch das Gesagte und indem ich noch hinzufiige, dass ich den gereizten 
Tun, zu dem ich mich hinreissen liess. lebhaft bedaure, glaube ich ein in meiner 
früheren Mittheilung S. 343, Anmerkung an dem grossen Physiologen begange¬ 
nes Unrecht wieder gut gemacht zu haben. 
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