Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eine alte Beobachtung über die Function der Schwingkölbchen der Zweiflügler
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16171/3/
298 Eine alte Beobacht, iib. d. Function <1. Schwingkölbchen der Zweiflügler. 
Burmeister, der Schelver’s Angaben zum grössten Theil bestä¬ 
tigt und weitere Versuche angestellt hat, fügt zur Erklärung dieser 
auffallenden Erscheinung kein Wort hinzu. Die Frage über die Function 
der »Schwingkolben steht somit heute noch auf demselben Punkte, wie 
im Jahre 1763 den 30. August. Für Jene, welche diesen räthselhaften 
Gegenstand einer genaueren Untersuchung unterwerfen möchten, 
würde ich mir Folgendes zu bemerken erlauben. Der durch die an den 
citirten »Stellen angegebenen Versuche constatirte Einfluss der Thätig- 
keit der Schwingkölbehen auf das Fliegen kann meiner Ansicht nach 
entweder ein director oderein in direct er sein — direct, in so 
fern die Schwingungen der Kölbchen ähnlich wie die Flügel selbst auf 
mechanische Weise zur Ermöglichung des Fliegcns beitragen : in¬ 
direct, in so fern die Kölbchen auf irgend eine noch zu ermittelnde 
Weise das Zustandekommen der gewissen, (las Fliegen bedingenden 
Bewegungen der eigentlichen Flügel möglich oder unmöglich machen, 
je nachdem sie unverletzt, normal functioniren oder verletzt, und ganz 
oder zum grössten Theil entfernt sind. 
Zur Entscheidung dieser Möglichkeiten wird man zunächst genau 
die Bewegungen, welche die Schwingkölbehen ausführen, durch unmit¬ 
telbare Beobachtung studiren und aus der Anatomie der Kölbchen 
construiren müssen. Vielleicht ergeben sich hierbei weitere Finger¬ 
zeige, in welcher Richtung man zu suchen und zu experimentiren habe. 
Dann aber vervielfältige man die Bedingungen des ursprünglichen 
Versuches und beobachte die dadurch gesetzten Veränderungen des 
Fluges. Schliesslich schlage ich den Versuch vor, die Schwingkölb¬ 
chen ausser Thätigkcit zu setzen, ohne dieselben zu verletzen, indem 
man sie in ihren Bewegungen auf irgend cine Art, z. B. durch ein 
Tröpfchen Leim oder Gummi arab. hindert.^ Sollte eine auf diese Art 
behandelte Fliege noch zu fliegen im Stande sein, dann wäre der Be¬ 
weis geliefert, dass der Einfluss der Schwingkölbehen auf den Flug 
kein director ist. — Der indirecte Einfluss bliebe dann noch zu 
finden. — 
Ich selbst bin gegenwärtig leider durch gehäufte Berufsgeschäfte 
und den Mangel an Stubenfliegen verhindert, die gar nicht uninteres¬ 
sante Untersuchung über die Function der Schwingkölbehen auf dem 
angedeuteten Wege vorzunehmen. Vielleicht wird mir dies später ein¬ 
mal möglich sein. Freuen würde es mich aber, wenn sich Jemand 
meine Andeutungen zu Nutze machte und recht bald eine Lösung die¬ 
ses Problems versuchte. Der Winter ist freilich nicht die Jahreszeit 
zu solchen Untersuchungen. —
        

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