Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eine alte Beobachtung über die Function der Schwingkölbchen der Zweiflügler
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16171/2/
Eine alte Beobacht, üb. il. Function <1. Scliwingkölbchen der Zweiflügler. 297 
diese zwei kleinen Tlieile mit einem feinen Zünglein abnimmt, ohne 
dass das mindeste an den Flügeln verletzt noch die Mücke gedrückt 
wird, so ist sie sogleich unvermögend zu fliegen oder sich mehr in der 
Luft, zu erhalten. Man lmt aber darauf zu sehen, dass diese Bläschen 
sammt dem Stiel ausgerissen werden ; dann sonst behält sie noch einige 
Kraft zum Fliegen : welches mir zwar unter mehr als hundert Wieder¬ 
holungen nicht einmal begegnet ist (sic!). Bei dieser Operation lässt 
sicli's nicht wohl vermuthen, dass der Schmerze vom ausreissen dieser 
Luftbläschcn die Kraft zu fliegen'verhindern sollte. Dann wann man 
einer Mücke die 0 Fiissc mit den zwei Schallhäuten abreisst, oder 
auch sogar den ganzen Unterleib, so fliegt sic doch nach solchem Ver¬ 
lust so hurtig hinweg, als wäre ihr nichts geschehen, dieses mögte 
ihr aber nach meinem Begrilc ungleich grössere Schmerzen verur¬ 
sachen, zumal da die Schallhäutchen fast an den Flügeln sizen, und 
hingegen diese kleineren Tlieile noch viel weiter davon entfernt sind, 
dass sie also den Flügeln wenig Kraft oder Saft benehmen werden. 
Auch habe ich um mehrere Gewissheit zu erhalten, viele Mücken nach 
dem ausreissen dieser Theilchen unter einem Glas mit gutem Futter 
3 Tage, und einige b Tage aufbehalten: daher zu glauben ist, dass 
sich in soclier Zeit der Schmerze oder die Wunde solte verlohren ha¬ 
ben : Allein ich fand, dass sie ebensowenig als gleich nach dem aus¬ 
reissen fliegen konnten. Diese Wahrnehmungen habe ich alle an der 
gemeinen Stubenmücke richtig befunden, und es lässt sich Schlüssen, 
dass sich solche auch an den übrigen Arten nemlich an denjenigen, 
welche nur zwei Flügel tragen, nicht viel anders verhalten werden. 
Doch ich will dieses nicht gewiss behaupten; weil ich noch nicht alle 
Geschleckte untersuchen konnte. Die Zeit war mir zu kurz, da dieser 
Text bogen schon unter der 1’resse war. Doch vieleicht ist meine Be¬ 
trachtung vermögend, den Naturliebhaber zu viel wichtigeren Unter¬ 
suchungen aufzumuntern: mir selbst aber, hat sie Gelegenheit zu einer 
Abhandlung gegeben, welche ich nicht zurückhalten würde, wann ich 
ihr den Schmuck einer gelehrten Feder geben könnte. Indessen hoffe 
ich hier nicht zu weit gegangen zu sein und verbleibe mit wahrer 
Hochachtung« 
Nürnberg den 30 August 
17(33. Euer etc. 
A. W. WlNTBBSCHJUDT. 
ln einer Nachschrift bestätigt Ledukmüllku die Beobachtung sei¬ 
nes Verlegers, welche später Scuelvkk wahrscheinlich ohne von 
Wintkksciimidt und Lkimcumlixeu etwas zu wissen ebenfalls ge¬ 
macht hat.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.