Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Lehre von den Doppelbildern, die beim Sehen mit beiden Augen entstehen (sammt Zusatz)
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16168/8/
Zur Lohre v. il. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstehen. 277 
zerfalle, indem die Verlängerungen der Augenaxen Buchstaben treffen, 
welche in v cr schi e d cn en Zeilen liegen. Bei mir tritt immer das 
Bild des linken Auges über das des rechten Auges herauf—die Seh- 
axe des rechten Auges trifft verlängert einen höher gelegenen Bankt 
des Objectes als die Sehaxe des linken Auges. Bei anderen Individuen 
mag dies vielleicht umgekehrt sein. 
Ad 3. Unter den angegebenen Umständen treten, wenn die 
Asymmetrie der Augenstellungen gewisse Grenzen überschreitet, end¬ 
lieh Doppelbilder auf, und cs wird unmöglich, einfach und 
deutlich zu selten. Befindet sich das Object, z. B. eine senkrecht 
auf der horizontalen Linie stehende Nadel, auf der rechten Beite, 
so dass beide Augen stark nach rechts gewendet werden müssen, so 
steht das Bild des linken Auges rechts von dem Bilde des rechten 
Auges und oft sehr beträchtlich tiefer als dieses und erscheint zu¬ 
gleich etwas nach rechts hin geneigt. Je näher das zu betrachtende 
bject cHelen's paribus steht, je grösser also der Convergenzwiukcl 
er Augenaxen sein müsste, um dasselbe einfach zu sehen, desto 
schwieriger ist es, die Entstehung von Doppelbildern zu verhindern 
und die Sehaxcn auf dem Objecte zum Durchschneiden zu bringen. 
Durch ein» mehr oder minder beträchtliche Anstrengung der Einwärts¬ 
roller der Augen gelingt cs wohl meist, den geforderten Convcrgenz- 
winkel der Behaxen zu erzwingen, so dass sich die Doppelbilder ein¬ 
ander in horizontaler Richtung immer mehr und mehr nähern und 
endlich ganz in Eins verschmelzen, wenn sich die verticale 
Verschiebung und Neigung oder Drehung derselben 
corrigircn. Dies geschieht jedoch nicht immer und zwar dann nicht 
mehr, wenn das Object zu nahe steht und eine zu starke seitliche 
Drehung der Augen verlangt, um bei festgestelltcm Kopfe gesehen 
zu werden. Die verticale Verschiebung, welche sich, wie ich bemerkt 
habe, mit dem Aufwärtsneigen der Behaxen, bei höherem Blande des 
zu betrachtenden Objectes, steigert, corrigirt sich beinahe noch 
schwieriger, als die Drehung oder Neigung, so dass man unter diesen 
Umständen — ohne gerade besonders geübt zu sein — oft die Gele¬ 
genheit hat, sich zu überzeugen, wie die Punkte des Objectes, welche 
in der Verlängerung der Behaxen liegen, senkrecht über ein¬ 
ander zu stehen kommen. Sind beide Augen, wie in dem obi¬ 
gen Falle, nach rechts gedreht, so ist. die Sehaxe des rechten 
Auges auf einen unterhalb der Spitze gelegenen Punkt der 
Nadel gerichtet, während die Axe des linken Auges die Nadel¬ 
spitze selbst trifft. 
Die verticale Verschiebung der Zeilenhälften in dem in der vor-
        

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