Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16159/7/
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Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne. 
stellt, ist einer der schlechtesten, den man sich denken kann, und muss 
für jeden Bau erst durch das Einrammen von Piloten verbessert und 
gekräftigt werden. Die Amsterdamer machen das Sprichwort unwahr : 
» wer auf Gott vertraut, hat nicht auf Sand gebaut ; « denn obschon sie 
wie alle jene, welche mit Elementarereignissen kämpfen müssen, aus 
Verzweiflung, oder um nicht zu verzweifeln, in das rücksichtslose 
Walten der ungeheuerlichen Naturkräfte die Weisheit Gottes, der Alles 
zum Besten lenkt, legen, und fromm auf Gott vertrauen, so bauen sie 
ihre Häuser wenigstens doch auf Sand. Trotz aller Vorkehrungen 
kommen Senkungen des Terrains überall vor. Die Häuser stellen sich 
mit der Zeit schief, und völlig senkrecht stehende Mauern sind selten. 
Dies gibt den Strassen im Ganzen ein höchst lustiges und komisches 
Ansehen ; denn die Häuser, die noch dazu überaus hoch sind, lehnen 
sich und neigen sich ganz ängstlich gegen einander und in die Strasse 
vor, — als ob keines mehr gerade stehen könnte. Es sieht aus, wie 
eine reguläre Stadt in einem verzogenen Spiegelglase betrachtet. Dies 
Alles macht aber der Nettigkeit und dem Comfort im Inneren der 
Häuser durchaus keinen Eintrag. Von Sammlungen sahen wir nur die 
des Hrn. Prof. Vkolik, welche sehr werthvolle pathologisch-anatomi¬ 
sche und vergleichend-anatomische Gegenstände enthält. Unter vielen 
anderen befinden sich da auch ein Kind mit angeborener Ichthyosis ; 
(doch ist dies kein so ausgezeichneter Fall, wie der in Würzburg, wel¬ 
chen Heinrich Müller in den Verhandlungen der dortigen medici- 
nisch physikalischen Gesellschaft beschrieben hat;, und zwei Fälle 
von Ossification der Symphysis ossium pubis beim Weibe ; daun ein Nar- 
wallschädel mit z wci Stosszähnen und viele sehr kostbare Skelete. 
Die Präparate, welche Schroeder van der Kolk und Vrolik über 
die tiefen Venen der oberen Extremität der Vögel gemacht haben, sind 
hier aufgestellt. Man sieht, dass die Abbildungen, die diese Forscher 
davon gegeben haben, sehr naturgetreu sind, und dass die Venen die 
Arier, brachialis in der That mit einem ganz engmaschigen Netze um¬ 
spinnen. Die doppelten Venae brachiales beim Menschen sind noch 
eine schwache Beminiscenz an jenen Plexus der Vögel. Auf eine liaeh- 
ahmungswttrdige Weise benützt Vrolik die Missgeburten, welche man 
so häufig unbenutzt als blos abschreckende Beispiele in den Museen 
stehen sieht. Zuerst wird nämlich die Haut abgebalgt und sorgfältig 
über eine genau gearbeitete Puppe gezogen, so dass die Gestalt und 
was man sonst noch äusserlich wahrnehmen konnte, in gar nichts 
alterirt ist; der enthüllte Kern kann dann in ausgedehntester Weise 
untersucht, und zur Anfertigung von Präparaten und des Skeletes ver¬ 
wendet werden. Man erhält so aus Einem Vieles. — Vrolik hat die
        

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