Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16159/12/
Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne. 
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Zähnen beschrieben und abgebildet habe, erinnern. Mir war es inter¬ 
essant , die Substanz zu untersuchen, und Prof. Halbertsma hatte die 
Gefälligkeit, mir einen mikroskopischen Durchschnitt zu fertigen. Die 
Untersuchung ergab, dass diese Auswüchse keine Exostosen waren, 
indem keine Knochensubstanz zu finden war, sondern eine mehr oder 
weniger durchsichtige formlose Masse mit deutlichen Zahnkanälchen 
an vielen Stellen. 
Auch für die Geschichte der Chirurgie habe ich Einiges an 
der Leydener Anatomie gefunden. Im Zimmer des jeweiligen Profes¬ 
sors sind die Portraits dreier in der Geschichte der Lithotomie be¬ 
kannter Männer, nämlich das von Frire Jaques , von Row und von 
einem Amsterdamer Schmied van Doot. Der erste ist als Erfinder des 
Seitensteinschnittes, der zweite als der glücklichste Steinschneider des 
17. und aller Jahrhunderte bekannt, indem ihm von mehreren tausend 
Patienten keiner gestorben sein soll. Textor nennt ihn den »schlauen 
Holländer«, weil er seine Operationsmethode geheim hielt und als 
lukratives Monopol betrachtete, die stürmischen, neugierigen Fragen 
seiner Schüler und Collegen aber stets mit den Worten abfertigte : 
» Celsum lecjitote«, nämlich jene dunkle Stelle des Celsus über den Stein¬ 
schnitt. — Der Amsterdamer Schmied, welcher ein gewöhnliches 
Messer in der einen, und einen ansehnlichen, in Silber gefassten lllasen- 
stein in der andern hält, und ein sehr selbstgefälliges und selbstbe¬ 
wusstes Gesicht macht, kömmt durch folgende Geschichte in diese 
gelehrte Gesellschaft. Er hatte sich laut einer im Jahre 1651 ausge¬ 
fertigten gerichtlichen Urkunde mit jenem Messer, das auf dem Bilde 
abgebildet und in natura vorhanden ist, unter Beihilfe seines Lehr¬ 
jungen selbst operirt, und von seinem Steine, der in Silber gefasst 
aufbewahrt wird, geholfen. Die Sache scheint unglaublich. Jedenfalls 
müsste er die Sectio alta ausgeführt haben, da er am Damme doch 
kaum operirt haben konnte. — Hrn. Schlegel, einen Deutschen, 
der als Gustos am Reichs-Museum fungirt, haben wir auch besucht. 
Er hat vor einigen Jahren eine hübsche Arbeit Uber den Giftapparat 
der Schlangen in den Nova Acta Ac. Leop. veröffentlicht, worin er 
beweist, dass viele Schlangen, Uber deren Giftigkeit widersprechende 
Angaben gemacht worden waren, in der That giftig seien und einen 
gerinnten Giftzahn besitzen, aber weiter hinten im Munde, und nicht 
wie die anderen ganz vorn in Form beweglicher Hauer, woraus sich 
diese Unsicherheit in den Angaben erklären lässt.
        

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