Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16157/35/
J 48 Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien. 
natürlichen Charakter zu treffen, den Eindruck von gehärteten Axen- 
cylindern machen, und müssen schon durch ausscliliessende Diagnose 
als nervöse Elemente erkannt werden, da es weder fibröse, noch ela¬ 
stische, noch auch muskulöse Fasern sein können. 
Ich habe oben hei der Beschreibung der Mumien erwähnt, dass 
die Köpfe Beider die Spuren der Excérébration an sich trugen. In der 
Schädelhöhle des fast gänzlich skeletisirten Kopfes des Knaben fanden 
sich auch nicht einmal mehr Reste von dem Harze, mit welchem die 
Balsamirer das entleerte Cranium ausfüllten. 
Bei der weiblichen Mumie war das Gehirn ebenfalls durch die 
Nase entfernt worden : die Eröffnung der ohne Zweifel mit Harz aus¬ 
gegossenen Schädelhöhle hätte mir daher eben so wenig Material zur 
mikroskopischen Untersuchung des Gehirns verschaffen können, als 
der leere Schädel des Knabens. Ich stvnd unter diesen Umständen 
von der Eröffnung des Craniums, dessen völlige Erhaltung aus anderen 
Gründen wünschenswerth erschien, gern ah. Dagegen versprach ich 
mir von der Eröffnung des Rückgratscanals irgend ein bemerkenswer- 
thes Resultat, denn entweder mussten sich Reste des Rückenmarks 
daselbst finden oder doch Aufschlüsse über das Schicksal dieses Orga¬ 
nes gewinnen lassen. Ich erbrach den Rückgratscanal von der Leibes¬ 
höhle aus, indem ich einige der morschen Wirbelkörper ohne bedeu¬ 
tende Schwierigkeit entfernte. Unter den vorsichtig abgehobenen 
Wirbelkörpem fand sieh das Ligamentum longitudinale posterius, wel¬ 
ches mit denselben ziemlich lose zusammenhing. Nachdem ich auch 
diese Decke gelüftet hatte, lag der Rückgratscanal offen da. Ich über¬ 
zeugte mich nun, dass vom Rückenmark nicht die geringste Spur vor¬ 
handen war, während einige Reste der Rückenmarkshüllen mit dem 
erwähnten Längsbande zusammenhingen. An der hinteren Wand des 
Rückgratscanals entdeckte ich eine Schichte von Harz. Die inneren 
Oberflächen der Wirbelbogen markirten sich in der Weise durch die 
Harzschichte hindurch, dass ich sie zählen und ihre Gestalt deutlich 
erkennen konnte. Es ergab sich als endliches Resultat dieser Unter¬ 
suchung, dass die Balsamirer nicht nur das Gehirn, sondern auch das 
Rückenmark auf künstliche Art entfernt und die geleerten Räume mit 
Harz ausgegossen haben. Das im Rückgratscanal gefundene Harz war 
ohne Zweifel aus der Schädelhöhle, welche in liegender Stellung des 
Cadavers mit Harz gefüllt wurde, an der hinteren Wand des Canals 
herabgeflossen. 
Ich muss hier an die oben angeführte zweite Methode der Excéré¬ 
bration erinnern, wo man die Centraltheile des Nervensystems, statt 
durch die Nase, durch eine quere Oeffnung herauszog, welche von
        

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