Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Orthoskop: Eine neue Methode zur genaueren Untersuchung des gesunden und kranken Auges
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16155/9/
Ueber das Orthoskop. 
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sie daher die Linse und werden, wenn das Auge für die betreffende 
Entfernung eingerichtet ist, auf der Retina wieder in einem Punkte 
vereinigt. Versetzt man in Gedanken das Auge und den leuchtenden 
Punkt unter Wasser, ohne jedoch an dem Accommodationszustand des 
ersteren und der Entfernung des letzteren das Geringste zu ändern, so 
wird der Gang der Lichtstrahlen im Auge dennoch verändert und die 
Vereinigungsweite eine ganz andere sein müssen. Denn es wird, da 
das Wasser eine weit grössere lichtbrechende Kraft besitzt als die 
Luft, das Brechungsverhältniss an der Oberfläche der Cornea ganz 
unbedeutend, und die Lichtstrahlen können daher auch nur unbedeu¬ 
tend der optischen Achse zugebrochen werden. Die Linse empfängt 
jetzt relativ-divergirende Lichtstrahlen, und könnte sie erst in einer 
bedeutenden Entfernung hinter der Retina zu einem Punkte vereinigen. 
Auf der Retina entsteht demnach ein Zerstreuungskreis und kein deut¬ 
liches Bild. Ich lasse hier eine Berechnung Uber den Verlust an 
brechender Kraft eines unter Wasser befindlichen Auges folgen, welche 
in Gehler’s physikalischem Wörterbuch Band IV, Abtheilung 2, S. 1384 
zu finden ist : »Genauer genommen ist das Brechungsverhältniss des 
Lichtes aus Luft in die wässerige F euchtigkeit des Auges — n: 1 = 1,337; 
das Brechungsverhältniss aus Wasser in die wässerige Feuchtigkeit des 
Auges = w : 1 = 1,00075. Setzt man also den Halbmesser der Cornea 
= q — 3'",75 : den Abstand des gesehenen Objectes = d= 10", alles 
in Pariser Fussmaass, und sucht dann die Brennweite des Bildes hinter 
der Linse = f. so findet man : 
f—-ndq-=16'",3982. Wird in dieser Formel statt n die 
' (n—1 d — q 
Grösse w substituirt, so findet man : 
f —-— -=— 123'".043. dasheisst. die aus einer Entfernung 
(tu— 1 d — q 
von 10 Zoll kommenden Lichtstrahlen werden durch den Einfluss der 
Brechung gar nicht zum Brennpunkte vereinigt, sondern würden diese 
erst in einer Entfernung von 10 Zoll zum Brennpunkte vereinigt werden, 
wenn sie aus einem Abstande von 10 Zoll 3 Linien ins Auge fielen«. Das 
Auge wird unter Wasser ungeheuer weitsichtig, da die optische Wir¬ 
kung der Cornea und des Humor aqueus, welche zusammen als eine Linse 
von etwa 16"', 3982 Brennweite betrachtet werden können, beinahe ganz 
weg fällt. Sehr kurzsichtige Individuen werden unter Wasser im All¬ 
gemeinen weniger schlecht sehen als Weitsichtige. Wollte man unter 
Wasser dennoch klare Bilder von den Gegenständen erhalten, so 
müsste man, wie ein Staaroperirter und aus demselben physikalischen 
Grunde wie dieser eine Sammellinse vors Auge nehmen. Das Auge
        

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