Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Orthoskop: Eine neue Methode zur genaueren Untersuchung des gesunden und kranken Auges
Person:
Czermak, Johann N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16155/8/
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Ueber das Orthoskop. 
stischer Bedeutung sein, und giebt dem Physiologen Gelegenheit, ein 
lebendiges Auge in seinen wahren Verhältnissen zu studiren. Ich 
selbst hatte bei der Construction meines Apparates den Zweck, die 
etwaigen Ortsveränderungen der Linse, welche zn Erklärung des 
Accommodationsvermügens von Einigen vorausgesetzt werden, direct 
zur Anschauung zu bringen. Die Resultate dieser Untersuchungen 
werde ich an einem anderen Orte mittlieilen. 
Bezüglich der Anwendbarkeit des Apparates, namentlich in der 
Augenheilkunde, ist noch dem Einwurfe zu begegnen, dass der Ein¬ 
druck des Wassers ein unleidlicher sei und üble Folgen haben könne. 
Es ist allerdings wahr, dass es nicht gerade angenehm ist, das Auge 
unter Wasser aufzuthun, allein man kann es ganz gut an dieses Me¬ 
dium gewöhnen, wie ich an mehreren meiner Freunde und an mir 
selbst erfahren habe. Ueberdies kann das Wasser etwas erwärmt 
oder mit schleimigen Mitteln oder mit Eiweiss u. dgl. versetzt werden. 
Die Patienten, welche im Prager Hospitale auf der Klinik des Hm. 
Prof. Arlt und der Abtheilung des Hrn. Dr. Hasner mit dem Appa¬ 
rate untersucht wurden, haben sich auch nicht sehr empfindlich 
gezeigt und keine üblen Folgen verspürt. Immerhin bleibt ein der¬ 
artiges Augenbad ein Reiz, und der Arzt wird etwaige Contraindica- 
tionen wohl berücksichtigen müssen. 
Wir haben bisher von den Veränderungen, welche der Beobachter 
an dem zu untersuchenden Auge im Allgemeinen gewahrt, und von 
dem localen Effect der unmittelbaren Berührung der Conjunctiva durch 
das Wasser gesprochen. Es bleibt uns nun noch zu erörtern, in 
welcher Weise das Sehen in subjectiver Hinsicht alterirt ist. und 
welche Veränderungen der optischen Verhältnisse der Untersuchte an 
seinem Auge erfährt. 
Die Frage, «ob man unter Wasser sehen könne«, ist schon vor 
langer Zeit aufgeworfen, und auf mathematisch-physikalischem Wege 
exact beantwortet worden. Die Aussagen berühmter Taucher, welche 
alle aus Erfahrung sprechen wollen, stimmen jedoch nichts desto 
weniger gar nicht überein; die einen haben bejahend, die andern ver¬ 
neinend geantwortet. Man wird sich durch folgende Betrachtung 
leicht überzeugen, dass die Wahrheit in der Mitte liegt, und der 
scheinbare Widerspruch in den Aussagen erfahrener Taucher nur durch 
die Ungenauigkeit im Ausdruck bedingt sei. Kommen die Licht¬ 
strahlen, welche von einem leuchtenden Punkte nach allen Seiten 
ausströmen, beim gewöhnlichen Sehen in der Luft an die convexe 
Fläche der Cornea, so erfahren sie eine bedeutende Brechung zum 
Einfallslothe : gegen die optische Achse des Auges abgelenkt, erreichen
        

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