Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Zweite Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16149/58/
440 3. Ab sehn. Kap. VIII. §. V. 5(iv). Innere Polarisirbarlceit 
schlage wegen innerer Polarisation. Positiv wurde auch bei Anwendung 
der Keilbäuschc die Wirkung, wenn die Schneiden der Keilbäusche nicht mit 
doppelten Eiweifshäutchen bekleidet waren, und die Anordnung etwas 
länger zusammengestellt blieb. Ganz wie dies oben S. 427 bereits aus¬ 
einandergesetzt wurde, verbreitet sich nämlich alsdann Kochsalzlösung 
von den Schneiden der Keilbäusche aus in den Knorpel, und es 
entstehen in der zwischen den Schneiden begriffenen Strecke desselben 
zwei Begrenzungen von Kochsalzlösung gegen Knorpel, an denen sich, 
wenn ein Strom hindurchgeht, eine positive secundär-elektromotorische 
Kraft entwickelt. Der Beweis, dafs dies sich so verhält, liegt erstens 
darin, dafs an den Stellen, wo die Schneiden den Knorpel berühren, 
durch Entziehung des Wassers nach bekannten Gesetzen der Hydro- 
diffusion zwei tiefe Furchen entstehen; zweitens darin, dafs bei gehöriger 
Verwahrung der Schneiden mit Eiweifshäutchen auch nach sehr langer 
Zeit die Wirkung noch rein negativ ist; endlich darin, dafs, wenn man 
unter diesen Umständen einer Stelle des Knorpels zwischen den Schneiden 
durch Berührung mit einem mit Salzlösung getränkten Bausch oder Pinsel 
Gelegenheit giebt, sich mit der Lösung zu tränken, sofort positive Wir¬ 
kung auftritt. 
Gekochter sowohl als über Schwefelsäure getrockneter und wieder 
aufgeweichter Knorpel verhält sich wie frischer. 
Bei der Durchströmung des Knorpels zwischen den mit schwefel¬ 
saurer Kupferoxydlösung getränkten Zuleitungsbäuschen der Säule zeigte 
sich eine Erscheinung, die zwar nicht hieher gehört, jedoch Beachtung 
verdient. Man sieht nämlich, wenn man nicht zwischen die Enden 
des Knorpels und die Zuleitungsbäusche Thonschilder eingeschaltet hat 
(S. oben S. 431. 432), das Kupfersalz von dem positiven Bausch aus in 
den Knorpel dringen und ihn mehrere Millimeter tief blau färben, wäh¬ 
rend er auf der negativen Seite dieselbe Färbung nur ganz oberflächlich 
annimmt. Man kann auf diese Art, ohne irgend ein anderes Merkmal, 
mit völliger Gewifsheit die Richtung des Stromes bestimmen. Ich brauche 
nicht zu erwähnen, dafs dies nur ein besonderer Fall der von Redss 
und Porret entdeckten, neuerdings von Wiedemann untersuchten Elektro- 
diffusion ist (S. oben S. 422). Auch bei anderen porösen Körpern wurde 
im Laufe dieser Versuche dieselbe Erscheinung beobachtet, bei keinem 
jedoch so schön und unzweideutig, wie bei dem Knorpel. 
Die Beugesehnen des Vorderfufses des Rindes boten eine gute 
Gelegenheit, das secundär-elektromotorische Verhalten des Sehnen¬ 
gewebes zu ermitteln. Es zeigte sich, wie zu erwarten war, bei An¬ 
wendung derselben Versuchsweisen wie beim Knorpel, positive äufsere 
und negative innere Polarisation, allein merkwürdigerweise beide viel
        

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