Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/79/
Querschnittes thut nichts zur Entrcichelung seines Stromes. 79 
lungsfähig auf die Bäusche gelange, und dafs folglich seine Negativität 
im unversehrten Muskel der Zurichtung nicht vollständig vorbestehe, 
sondern gleich der des natürlichen Querschnittes allerdings auch einer 
Entwickelung bedürfe. Bei näherer Betrachtung findet sich indefs, dafs 
sich für jene positive Wirkung bei ihrer ausnehmenden Kleinheit noch 
zwei andere Deutungen angeben lassen, von denen die eine zwar leicht 
beseitigt werden kann, die andere aber nicht aus dem Wege zu räu¬ 
men ist, so dafs der Beweis für den auch nur theilweisen Ursprung 
der positiven Wirkung aus einer Stromentwickelung in Wahrheit weder 
geführt ist, noch überhaupt geführt werden kann. 
Zuerst nämlich kann man Folgendes sagen. Oben Abth. I. S. 525 
ist gezeigt worden, dafs, wenn ein peripolarer Erreger mit symmetri¬ 
schen Punkten des Längsschnittes aufliegt, und man fügt ihm an dem 
einen Querschnitt eine unwirksam leitende Verlängerung hinzu, eine 
Wirkung im Kreise sich kundgiebt im Sinne des Querschnittes, an 
dem das Hinzufügen geschah (Vergl. Taf. IV. Fig. 134). Es ist klar, 
dafs dieselbe Wirkung nicht ausbleiben würde, wenn der Erreger, statt 
mit symmetrischen, mit asymmetrischen Punkten des Längsschnittes 
aufläge. Es ist ferner klar, dafs an Stelle des mit Eiweifs getränkten 
Fadens in Fig. 134 auch nur ein Tröpfchen einer gutleitenden Flüssig¬ 
keit hätte an dem Querschnitt angebracht werden können, indem die 
gute Leitungsfähigkeit der Flüssigkeit die gröfsere Ausdehnung des 
Eiweifsfadens ersetzte. Alsdann aber, sieht man, fallen die Bedingun¬ 
gen des Versuches mit denjenigen des uns jetzt vorliegenden merklich 
zusammen. Die positive Wirkung, die wir in diesem beobachtet ha¬ 
ben, rührt somit möglicherweise von nichts her, als davon, dafs? wir, 
in dem Tropfen Höllensteinlösung, an dem Querschnitt des Muskels 
eine Endableitung angebracht haben, entsprechend der Endlücke in den 
oben Bd. I. S. 649 ff. beschriebenen Versuchen an schematischen Kupfer¬ 
zinkvorrichtungen (Vergl. Fig. 67. Taf. VI. ebendas.). 
Diese Vermuthung ist leicht durch den Versuch zu prüfen. Ist 
sie richtig, so mufs nämlich die positive Wirkung ausbleiben, wenn 
wir die Höllensteinlösung durch eine nichtleitende entwickelnde Flüssig¬ 
keit, das Kreosot, ersetzen. Ist hingegen die positive Wirkung von 
der angegebenen Ursache ganz oder zum Theil unabhängig, so darf 
sie, auch mit dem Kreosot statt der Höllensteinlösung, zu erscheinen 
fortfahren. 
Der Erfolg lehrt aber, dafs auch das Kreosot noch eine deutliche 
positive Wirkung giebt, wenn auch nicht so stark, als die Höllenstein¬ 
lösung. Von der negativen Wirkung beim Ueberschreiten der Grenze 
zwischen Längs- und Querschnitt ist beim Kreosot nichts mehr zu
        

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