Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/77/
Querschnittes thut nichts zur Entwickelung seines Stromes. 
Um dasselbe am künstlichen Querschnitt zu erreichen, genügt es, 
den parelektronomischen Muskel mit zwei nicht symmetrischen Punkten 
des natürlichen Längsschnittes aufzulegen. Da man es alsdann mit den 
schwachen Strömen des Längsschnittes zu thun hat, so wendet man 
mit Vortheil den Multiplicator für den Nervenstrom an (S. oben Abth. I. 
S. 495). 
Man erhält stets bereits einen Ausschlag von 70 — 90° in der 
Richtung von dem dem elektromotorisch mittleren Querschnitte näheren 
Punkte des Längsschnittes zu dem dem künstlichen Querschnitte nähe¬ 
ren Punkte durch den Multiplicatordraht. Also ohne dafs der Quer¬ 
schnitt mit einer entwickelnden Flüssigkeit in Berührung gekommen 
wäre, findet man ihn doch nie unwirksam gegen den Längsschnitt, 
geschweige positiv. Es handelt sich aber darum, auszumachen, ob 
sich seine Negativität gleich der des natürlichen Querschnittes im par¬ 
elektronomischen Zustande noch durch Anätzen steigern lasse. 
Die Prüfung darf nicht etwa so vorgenommen werden, dafs man 
den Muskel von den Bäuschen entfernt, um seinen künstlichen Quer¬ 
schnitt mit irgend einer entwickelnden Flüssigkeit in Berührung zu 
bringen. Denn man würde auf keine Weise sicher sein, dafs man ihm, 
beim Wiederauflegen auf die Bäusche, die genau gleiche Lage ertheilt 
habe. Es mufs vielmehr, während der Muskel unverrückt aufliegt und 
die Nadel in beständiger Ablenkung hält, die entwickelnde Flüssigkeit 
auf den Querschnitt gebracht, und ihre Wirkung aus der dann entste¬ 
henden Nadelbcwegung erschlossen werden. Wie man leicht erkennt, ist 
dies dasselbe Verfahren, dessen wir uns oben S. 55 bedient haben, um 
zu ermitteln, ob eine Flüssigkeit entwickelnd wirke oder nicht. Hier 
bedienen wir uns umgekehrt einer Flüssigkeit von bekanntem Entwicke¬ 
lungsvermögen, um zu erfahren, ob der künstliche Querschnitt ent¬ 
wickelungsfähig sei oder nicht. 
Damit die entwickelnde Flüssigkeit nicht dem Muskel entlang 
fliefse und die Eiweifshäutchen verunreinige, mufs der damit zu be¬ 
netzende Querschnitt von dem entsprechenden Bausch abgehoben und 
das Ende des Muskels mit Hülfe eines Stückchens Thermometerrohrs 
(S. oben Bd. I. S. 500) oder gefirnifsten Korkes so gestützt werden, 
dafs der Querschnitt in wagerechter Stellung frei nach oben sieht. Die 
entwickelnde Flüssigkeit mufs begreiflich möglichst wirksam sein. Es 
ist ferner zweckmäfsig, wenn sie nicht mit zu grofser Kraft sich am 
Muskel auszubreiten strebt, und wenn sie überdiefs ihren Verbreitungs¬ 
bezirk durch irgend eine recht augenfällige Veränderung der Muskel¬ 
substanz kenntlich macht. Ich wählte zuerst die gesättigte salpetersaure 
Silberlösung; sie entspricht dem Zweck sehr gut, insofern sie insbe-
        

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