Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/7/
an den entblöfsten Muskeln und Nerven lebender Thiere. 7 
sich darin, seiner eigenen Ueberzeugung nach, um nichts handele, als 
um eine lediglich von den Bedingungen des Versuches abhängige, mit 
den besonderen Lebenseigenschaften des Muskels in gar keiner Verbin¬ 
dung stehende Lcichenerscheinung. 
2. Vom elektromotorischen Verhalten des lebenden oder todten, 
äufserlich unversehrten Frosches, wie auch seiner nicht 
enthäuteten Gliedmafsen. 
Folgendes sind nun die Ergebnisse der hier in Rede sichenden 
Untersuchung. Tödtet man einen Frosch, ohne seine Haut zu verletzen, 
gleichviel sonst in welcher Weise, also z. B. durch Gehirnerschütterung 
(S. oben Bd. I. S. 459) oder durch Gift, und legt ihn nach kürzerer 
oder längerer Zeit ohne ihn zu enthäuten in der oben Bd. I. S. 464 
angegebenen Art auf die Zuleitungsgefäfse des Multiplicators für den 
Muskelstrom1 auf, so erfolgt in den seltensten Fällen ein aufsteigender 
Ausschlag, wie man ihn erwarten sollte nach dem Erfolg desselben 
Versuches am enthäuteten Frosche. In der überwiegenden Mehrzahl der 
Fälle ist vielmehr der Strom absteigend; er beläuft sich auf etwa 40° 
Ausschlag. In anderen Fällen ist die Wirkung unmerklich, in einigen weni¬ 
gen erfolgt ein aufsteigender Strom. Endlich kommt es auch vor, dafs 
die Nadel zuerst in dem einen Sinne einen Stofs erhält, aber alsbald 
stillsteht, wiederkehrt und zuletzt einen Ausschlag in dem dem ersten 
entgegengesetzten Sinne beschreibt. 
Nicht anders ist der Erfolg beim Auflegen des nicht enthäuteten 
GALVANi’schen Präparates oder des Unterschenkels. Wegen des Zurück¬ 
ziehens der Haut mufs man sie hei diesen Versuchen, wie bei Am¬ 
putationen, höher durchschneiden, als es nöthig scheint, wenn die 
Gliedmafsen wirklich damit bedeckt bleiben sollen; nämlich bei dem 
GALVANi’schen Präparat durch einen Zirkelschnitt dicht unter den Armen, 
hei dem Unterschenkel dicht unter dem Becken. 
Das Ergebnifs des Versuches mit dem Gesammtfrosch bleibt das¬ 
selbe, wenn der Frosch lebend ist, wie zu erwarten war. Natürlich 
sträubt er sich dabei heftig schon allein wegen der Rückenlage, die 
man ihm beim Auflegen ertheilen mufs, vollends wegen des Reizes der 
gesättigten Kochsalzlösung am Kopf und den Schwimmhäuten. Diese 
färben sich alsbald dunkel rosenroth und sterben leicht später nebst 
den Zehen brandig ab. Um dies zu verhüten sowohl als um das Thier 
1 Der Mulliplicator für den Muskelstrom ist fortan stets gemeint, sobald nicht 
ausdrücklich erwähnt ist, dafs der Mulliplicator für den Nerveustrom (S. oben 
Abth. I. S. 495) angewendet worden sei.
        

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