Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über thierische Elektricität, Zweiter Band, Zweite Abtheilung (Erste Lieferung)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16148/361/
beruht nicht auf Veränderung der elektromotorischen Kräfte der Haut. 361 
gezogen, so dafs das Tourniquet, gleich einem Siegelringe, fest am Fin¬ 
ger hing, und beide Zeigefinger in die Fingergefäfse getaucht. War 
die Nadel zur Ruhe gekommen, so wurde das Tourniquet rasch und 
kräftig zugezogen. Sofort röthete sich der Finger und schwoll unter¬ 
halb des Bandes an. So kräftig wirkte übrigens die Schraube, dafs 
die Spur des Bandes noch nach vielen Stunden sichtbar war. Nichts¬ 
destoweniger blieb die Nadel des Multiplicators für den Nervenstrom 
während des Zuziehens des Tourniquets unbewegt, wenn nur der Fin¬ 
ger dabei rubig gehalten worden war. Einigemal gab sich eine äufserst 
schwache Wirkung zu erkennen in absteigender Richtung auf der Seite, 
wo das Tourniquet lag. Vielleicht ist dieselbe auf Ausdehnung der Haut 
des Fingers durch Spannung nach dem Tourniquet hin zu deuten (S. 
oben S. 261). Wie dem auch sei, man sieht abermals, dafs eine un¬ 
gleich bedeutendere Aenderung des Kreislaufes, als die welche bei der 
Zusammenziehung stattfinden kann, sich keiner elektromotorischen Wir¬ 
kung fähig erweist. 
Dies ist aber noch nicht Alles. Sondern wenn nun das Tourniquet 
so fest zugezogen blieb als es irgend erträglich war, und es wurden 
die Muskeln desselben Armes angespannt, so trat sofort der gewöhn¬ 
liche Strom in aufsteigender Richtung ein. Es ist aber wohl hinreichend 
klar, dafs dies nicht die Folge sein konnte einer Veränderung des Haut¬ 
kreislaufes des eingetauchten Fingers unterhalb des Tourniquets. Denn 
dieser Kreislauf konnte, eben wegen des Tourniquets, gar keine Ver¬ 
änderung mehr erfahren durch Ursachen, welche, wie die Zusammen¬ 
ziehung der Armmuskeln, oberhalb der umschnürten Stelle ihren Sitz 
‘ hatten. Und auf alle Fälle war die durch das Tourniquet bewirkte 
Hyperämie der Haut bereits so bedeutend, dafs, wenn wirklich durch 
das Tourniquet hindurch noch eine ähnliche Wirkung seitens der Mus¬ 
keln gelangt wäre, diese zur Wirkung des Tourniquets doch nur einen 
verschwindenden Bruchtheil hinzutragen konnte. 
In der beschriebenen Gestalt ist der Versuch von mir mit Herrn 
Stud. Lindner angestellt worden, indem abwechselnd der Eine von uns 
das Tourniquet an dem Finger des Anderen zuzog. Allein schon ehe 
ich in Besitz des Tourniquets war, habe ich mit meinen Freunden den 
Herren G. Kirchhofe und A. Fick denselben Versuch in folgender Art 
ausgeführt, deren hier noch gedacht werden mag, da sie, obschon 
unvollkommener, vor der vorigen den Vorzug hat,' in’s Werk gesetzt 
werden zu können mit Hülfsmitteln, die in Jedermanns Händen sind. 
Es wurde um das erste Glied des Zeigefingers der einen Hand ein 
vieldoppelter Ring aus Zwirnsfäden gelegt, durch den ein Knebel ge¬ 
steckt war. Unter dem Knebel lag eine Kautchukplatte, um zu ver-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.